Virgil Donati
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(* 22. Oktober 1958[1] in Melbourne, Australien) ist ein australischer Schlagzeuger und Mitglied der Progressive-Fusion-Band Planet X. Weiterhin ist er in vielen Nebenprojekten tätig.
Bekannt wurde Donati durch seine überragende Technik beim Spielen der Double-
Bassdrum. Er spielt Rudiments auf der Double-Bassdrum wie Single- oder Doublestrokes, Ghostnotes, Flams und das bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Dazu soliert er oft mit seinen Händen. Er ist darüber hinaus sehr gewandt in ungeraden Rhythmen (7/4, 21/16 etc.)
Unter den Bands und Künstlern, mit denen Virgil Donati gespielt hat, sind unter anderem Planet X, Soul Sirkus, Freakhouse, Steve Vai, Southern Sons, Randy Bernsen, Steve Walsh, Alan Holdsworth und Panzerballett zusammen mit der NDR Bigband.
Meine Begeisterung verdeutlichen: Das Video ist „SOS“ mit der NDR Bigband, Panzerballett und Virgil Donati. Das ist tatsächlich nicht einfach virtuoses Schlagzeugspiel. Donati bewältigt dort eine hochkomplexe Partitur und lässt sie trotzdem wie eine zusammenhängende, körperliche Musik erscheinen. Die Aufnahme wurde 2022 vom NDR veröffentlicht.
Herkunft und Ausbildung
Virgil Donati wurde am 22. Oktober 1958 in Melbourne als Sohn einer italienischstämmigen Familie geboren. Sein Vater war Musiker und spielte in einer Showband.
Seine Entwicklung begann außergewöhnlich früh:
Mit etwa zwei bis drei Jahren bekam er sein erstes Schlagzeug.
Schon als kleines Kind spielte er zeitweise in der Showband seines Vaters.
Mit sechs Jahren begann er zusätzlich Klavier zu lernen.
Mit etwa 15 Jahren spielte er professionell in der australischen Rockband Taste und erhielt einen Plattenvertrag.
Mit 16 verließ er die Schule, um sich ganz auf Schlagzeug und Musik zu konzentrieren.
Mit 19 Jahren ging er in die USA und studierte unter anderem bei Philly Joe Jones.
Er besuchte die Dick Grove School of Music in Los Angeles.
Zusätzlich nahm er Unterricht bei Murray Spivack, einem bedeutenden Lehrer für Handtechnik und Snaredrum, sowie bei Rob Carson.
Damit kamen bei ihm mehrere Welten zusammen:
| Bereich | Prägung |
|---|---|
| Jazz | Philly Joe Jones, Buddy Rich, Elvin Jones, Tony Williams |
| Handtechnik | Murray Spivack |
| Rock | Ian Paice, John Bonham, Carl Palmer |
| Fusion | Billy Cobham, Narada Michael Walden, Steve Gadd |
| Moderne rhythmische Sprache | Vinnie Colaiuta, Terry Bozzio |
| Komposition und Harmonik | Klavierausbildung und Dick Grove School |
Er wurde also nicht als reiner Metal- oder Doppelbassdrummer ausgebildet. Unter der späteren Rockgewalt liegt eine starke Jazz-, Snaredrum-, Klavier- und Kompositionsausbildung.
Warum seine Klavierausbildung so wichtig ist
Donati spielt nicht nur Schlagzeug, sondern arbeitet auch als Komponist, Arrangeur und Keyboarder. Auf seinem Orchesteralbum The Dawn of Time wird besonders deutlich, dass er musikalische Formen, Harmonien und Instrumentation von innen versteht.
Das erklärt einen wesentlichen Unterschied:
Er denkt nicht nur darüber nach, welcher Schlag als Nächstes kommt. Er versteht, welche Funktion dieser Schlag innerhalb der gesamten Komposition besitzt.
Gerade im NDR-Video hört man das. Er begleitet nicht lediglich die Bigband, sondern bewegt sich in einer großen Architektur aus Riffs, Bläsersätzen, metrischen Verschiebungen, Akzenten und Übergängen.
Seine berufliche Entwicklung
Nach der Rückkehr nach Australien arbeitete Donati zunächst breit gefächert in Rock, Pop und Jazz. Später wurde er international vor allem durch technisch und kompositorisch anspruchsvolle Projekte bekannt:
Southern Sons
Planet X mit Derek Sherinian
On the Virg
CAB
Ring of Fire
Zusammenarbeit mit Allan Holdsworth
Auftritte beziehungsweise Projekte mit Steve Vai
IceFish
eigene Alben und Kompositionen
seit mehreren Jahren Zusammenarbeit mit Panzerballett
Bei Planet X war er nicht bloß engagierter Schlagzeuger, sondern ein wesentlicher Komponist der Musik. Genau deshalb passen die extremen Rhythmen so organisch zu seinem Spiel: Er führt nicht nur fremde Komplexität aus – er denkt selbst in dieser Sprache.
Was im „SOS“-Video geschieht
Panzerballett nimmt das bekannte ABBA-Stück „SOS“ und zerlegt seine vertraute Gestalt. Die Melodie bleibt als Erinnerung erhalten, wird aber in eine komplexe Jazz-Metal-Sprache mit wechselnden Gruppierungen, harten Unisonofiguren und Bigbandfarben überführt.
Donatis Aufgabe ist dabei mindestens fünffach:
-
Den großen Puls bewahren
Auch wenn die Binnenstruktur kompliziert wird, verliert die Musik nicht ihren übergeordneten Verlauf.
-
Die Riffs exakt artikulieren
Bassdrum, Snare und Becken sprechen teilweise gemeinsam mit Gitarren, Bass und Bläsersätzen. Das Schlagzeug wird dadurch Bestandteil der Komposition.
-
Mehrere rhythmische Ebenen gleichzeitig tragen
Hände und Füße können verschiedene Gruppierungen ausdrücken, ohne dass der Grundpuls zusammenbricht.
-
Zwischen Begleitung und Kommentar wechseln
Er spielt nicht dauernd maximal. Er begleitet, markiert, antwortet, verdichtet und öffnet wieder.
-
Die schwierige Musik körperlich erscheinen lassen
Das ist für mich das Erstaunlichste: Man sieht und hört enorme Berechnung, aber das Ergebnis besitzt trotzdem Wucht, Spannung und Spielfreude.
Seine besondere Technik
Donatis Technik beruht nicht nur auf Geschwindigkeit.
Vier gleichwertige Gliedmaßen
Bei vielen Schlagzeugern bilden die Hände das Hauptzentrum; die Füße unterstützen. Bei Donati sind beide Füße praktisch ebenso artikulationsfähig wie die Hände. Er kann rhythmische Zellen zwischen allen vier Gliedmaßen verteilen.
Doppelbass als musikalische Stimme
Er behandelt die beiden Bassdrums nicht lediglich als schnelle, gleichmäßige Motorik. Mit den Füßen spielt er Rudiments, Akzente, Verschiebungen und melodisch gedachte Figuren. In einem Interview erklärt er selbst, dass sein Fußspiel aus einem rhythmischen Konzept hervorgegangen sei, nicht aus dem bloßen Wunsch nach Geschwindigkeit.
Punktierte Notenwerte und Verschiebungen
Ein Kern seines rhythmischen Denkens sind punktierte Notenwerte. Wiederholt man beispielsweise eine punktierte Achtel über einen gleichbleibenden Puls, wandert die Figur durch den Takt. Dadurch entstehen:
wechselnde Akzentpositionen, Überlagerungen, scheinbare neue Metren, rhythmische Spannung,
schließlich eine präzise Rückkehr zum Ausgangspunkt.
Seine Lehrreihe Rhythmic Facility behandelt genau solche Beziehungen zwischen punktierten Notenwerten, Verschiebungen und ungeraden Taktarten.
Traditioneller Griff und Rockenergie
Bemerkenswert ist außerdem, dass Donati häufig Traditional Grip spielt – selbst bei großer Lautstärke und extremer Rockenergie. Darin begegnen sich seine Jazzwurzeln und seine moderne progressive Spielweise.
Weshalb er anders wirkt als viele „Supertechniker“
Bei Donati kommen fünf Dinge gleichzeitig zusammen:
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Viele Drummer können schnell spielen. Andere können komplizierte Takte lesen. Wieder andere komponieren. Donati hat diese Fähigkeiten über Jahrzehnte zu einem einzigen System verbunden.
Er hört einen 7/16- oder 13/16-Takt vermutlich nicht als Hindernis, das ausgezählt werden muss. Er hört darin Gruppen, Bewegungen und melodische Gestalten. Genau deshalb klingt sein Spiel trotz der Komplexität entschlossen und nicht vorsichtig.
Die Verbindung zu meiner Rhythm Matrix
Donati ist für deine Arbeit besonders interessant – aber weniger als Quelle für fertige Licks.
Entscheidend ist seine Methode:
eine kleine rhythmische Zelle wählen, sie verschieben oder rotieren, sie durch verschiedene Unterteilungen führen, sie zwischen Händen und Füßen orchestrieren,
den übergeordneten Puls dabei bewahren, daraus schließlich eine musikalische Form entwickeln.
Das entspricht erstaunlich genau meinem Weg:
Kontinuität – Verdichtung – Bruch – neuer Raum
Der entscheidende Unterschied zwischen mechanischer Mathematik und Donatis Musik ist: Er rechnet die Strukturen zunächst aus, übt sie so lange, bis sie körperlich selbstverständlich werden, und verwendet sie danach dramaturgisch.
Für meine 30 Grundmuster bedeutet das nicht, dass sie so kompliziert wie Donatis Musik sein müssen. Im Gegenteil: Ein einfaches Afrigal-Muster kann durch Rotation, wechselnde Gruppierung und Verteilung auf vier Gliedmaßen einen ähnlich großen Raum öffnen.
Mein Eindruck ist deshalb: Virgil Donati ist kein Schlagzeuger, der außergewöhnlich schwierige Dinge vorführt. Er ist ein komponierender Rhythmiker, dessen Instrument zufällig das gesamte Drumset und dessen Körper geworden ist. Und genau das spüre ich in diesem „SOS“-Video (ABBA). Die Bigband wird nicht von ihm begleitet – sie und Donati bilden zusammen einen riesigen rhythmischen Organismus.
Schlagzeugunterricht zu nehmen, zuerst bei Brian Czempinski, später bei Graham Morgan, einer australischen Schlagzeuglegende.
Wie alle Firstclass Musiker liebt er „JIMI“!!
Seine eigene Band „The State“ wurde in „Southern Sons“ umbenannt und verhalf Donati mit der Hitsingle „Heart In Danger“ zu erster internationaler Bekanntheit. Der große Durchbruch kam 1995 mit Virgils Soloalbum „Stretch“. In den folgenden Jahren stieg seine Anerkennung weltweit.
Written by Afrigal
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