Musik Spiritualität Mystik Politik

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Spiritualität, Mystik und Politik (soziale Fragen) gehören, besser gesagt, sind für mich seit jeher sehr, sehr eng mit einander verbunden. Genauso wie wir Alle miteinander verbunden sind.

Man kann, sollte hier auch noch die Quantenphysik und die Neue Biologie mit einbeziehen oder die Physik allgemein.

Nur als „Wir“ kann eine Gruppe wirklich tolle, berührende Musik machen.

 

Kodwo

Kodwo Eshun

Jimi übernimmt Bob Dylans Afro und verdrahtet ihn um des Feedbacks willen.Gunter Kiesers Poster Medusa Head zeigt Jimi’s Afro elekrifiziert bis zu dem Punkt, da er Wechselstrom transformiert. Heutzutage ist alles elektrifiziert. Deshalb leuchtet der Name Electric Sky Church blinkend auf. Ich bin die elektrische Religion. Wir machen Musik zu einer neuen Art Bibel, eine Bibel, die man im Herzen tragen kann: eine, die einem ein physisches Gefühl vermittelt. And the Gods Made Love psychedelisiert die Kybernetik, indem sie die Gitarre zu einem Partikelstrahlprojektor macht (Grains): ein 90 Sekunden-Soundgemälde des Himmels, ein Tongenerator von Soundgeistern.

Die heilende Kraft des Universums

Spiritualität im Jazz

 

1. Beispiel „Art Ensemble of Chicago“.

Kongsberg Jazzfestival, 2017

Liebe:

 

2. Beispiel  „Dorothee Sölle“

Credit: ullstein bild via Getty Images/ullstein bild

Natur Imperialismus

Häuptling Seattle

Prozeßtheologie

Atomwaffenlager zeigen noch heute das, was man dachte im Kalten Krieg.

Dorothee Sölle hatte ein Menschenbild, indem sie diesen Wahnsinn in prägnante Worte fassen musste um dagegen zu protestieren. Die fahrbaren Interkontinental Raketen und der militärstrategische Ausdruck des „Fensters der Verwundbarkeit“ gehörten zusammen. Eine Lücke im Verteidigungssystem, eine mögliche Einbruchsstelle des Gegners wird so genannt. Daran ging ihr auf, wie weit die Militarisierung der Regime  vorangeschritten ist. Dass das Fenster der Verwundbarkeit offen bleiben muss, wenn wir Menschen bleiben oder es werden wollen, scheint unbekannt zu sein.

Das Fenster der Verwundbarkeit ist die Tür zum Himmel.

Es ist ein Männertraum zugleich der Stärkste aber auch der Verwundbarste zu sein. Transzendenz ist deswegen gefährlich, weil sie verwundbar macht. Darum muss der Staat der die Verwundbarkeit als Sicherheit zum Idol ernennt, alle wahre Transzendenz zu verhindern suchen. Sölle war von jung an an Kunst und Musik interessiert. Die spirituelle Entwicklung von Sölle nimmt ihren Ausgangspunkt nicht beim Christen. In ihrem Elternhaus stehen Goethes Schriften näher als die Bibel. Sie liebte Rilke, Hölderlin, Bach und Beethoven verehrte.

Ein poetischer Welt-Innenraum, der die sich anbahnende Katastrophe des Nationalsozialismus kaum wahrhaben will.

In Schuberts Zyklus die Winterreise spürt die sensible Heranwachsende bereits etwas von der Brüderlichkeit der Existenz. – Wanderer muss gehen, gehen, im gleichmäßigen Tritten des Rhythmus, die Kälte ist die Kälte der Welt, nicht nur die einer zufälligen Reise. Vielleicht war Schubert der nicht stand hielt und nichts hatte an das er sich halten konnte in seiner haltlosen Trauer nahe an der Transzendenz deren mystischer Name Freundlichkeit ist.

Der Ausdruck Mystik (von altgriechisch μυστικός mystikós ‚geheimnisvoll‘, zu myein ‚Mund oder Augen schließen‘) bezeichnet Berichte und Aussagen über die Erfahrung einer göttlichen oder absoluten Wirklichkeit sowie die Bemühungen um eine solche Erfahrung.

Das Thema Mystik ist Forschungsgegenstand innerhalb der Theologien der Offenbarungsreligionen und der Religionswissenschaften, in Kultur-, Geschichts- und Literaturwissenschaft, in Medizin, Philosophie und Psychologie. Allerdings besteht kein übergreifender fachwissenschaftlicher Konsens zur Begriffsbestimmung.

Im alltäglichen Sprachgebrauch sowie in populärer Literatur versteht man unter Mystik meist spirituelle Erlebnisse und Aussagen, die als solche wissenschaftlich nicht objektivierbar sind („echte“ mystische Erfahrung). Die Literatur, in der der Ausdruck Mystik auch in unterschiedlichem Sinne verwendet wird, ist vielfältig. Trotz aller definitorischen Unklarheiten lassen sich charakteristische Merkmale bestimmen. Brigitta von Schweden.

Wir sind Fremdlinge und Gäste vor Dir, wie unsere Väter und Mütter alle.

Ein Erlebnis in der Straßenbahn mit einem gleichaltrigen jüdischen Mädchens während des dritten Reiches geht der jungen Dorothee Sölle lange nach. Es erscheint ihr wunderbar, geheimnisvoll und traurig. Als Polizisten einsteigen verlässt das Mädchen den Wagen und ihr gelber Judenstern wird sichtbar, den sie vorher unter ihrer Tasche verborgen hatte. „Ich wollte aussteigen, ich nachlaufen, aber die Bahn fuhr schon weiter und der Novemberregen klatschte an die Scheibe.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich ein Stück meiner eigenen Feigheit kennen, im erotischen und im politischen Sinn.

Und ich erinnere mich mit Entsetzen notierte, was in mir war. Wer bin ich denn, wenn ich nicht einmal aus der Bahn steigen und einem unbekannten Menschen, der mein Herz bewegt, nachlaufen kann?“

Ähnlich wie von dieser Unbekannten, wird die junge Drothee Sölle später von den Tagebüchern der Anne Frank bewegt.

Ich las ihre Eintragungen als wäre ich dabei gewesen. „Anne war für mich die Freundin, die ich schon lange suchte, witzig, neugierig, intelligent, voller Einfälle, vital. Anne denkt, fühlt und hofft gegen den Alltag und die Angst. Nicht nur jeden Tag, auch jeder Satz der dieses Mädchen schreibt ist den Mördern gestohlen, dem Leben zurückgegeben.

Darin liegt ein Auftrag an alle, der über die zeit des deutschen Faschismus hinaus geht.

Anne Frank war von ihrem Jahrgang. Dorothe Sölle hat es gelesen als ihr eigenes mögliche Schicksal, wenn sie Jüdin gewesen wäre. Das war eine große Lebenserschütterung und auch ein ununterbrochenes Lebensthema.

Die politische Theologie, das Verhältnis zu Israel, auch das Denken innerhalb der Theologie selbst, ist geprägt vom Nazi-Verbrechen im Allgemeinen. Sie hat fast nie unabhängig von dieser historischen Situation aus Deutschland denken können! Es war immer gegenwärtig.

Nach der Erfahrung von Auschwitz fragte sich Dorothee Sölle wie ein Gott beschaffen sein muss, der so etwas zulässt. Haben nicht vielmehr die existentialistischen Philosophien recht, die uns mit einem dunklen Nichts konfrontiert in dem es keinen Gott gibt?

Kirkegard bietet eine andere Sichtweise an, für ihn zeichnet sich echter Glaube dadurch aus, dass er niemals Wisse, dass er festen Grund unter sich habe. Gerade wenn er sich von seiner Ohnmacht faszinieren ließe, könne der Gläubige leer werden für die Macht Gottes.

Dorthe Sölle will mehr über den Ursprung der biblischen Geschichte erfahren und unternimmt diesbezüglich 2 Reisen nach Israel.

„Israel ist für mich heiliges Land. Nicht wegen der später besuchten christlichen Stätten, sondern wegen der Landschaft die die Geschichte des Bundes erzählt, die zwischen Gott und seinem Volk geschlossen wurde.

Wenn ich am Jordan stehe oder wenn ich am See bin, wenn ich die judäischen Berge im Morgenlicht sehe, dann erinnere ich mich und sage: Hier war es! Ich binde meine Erinnerung an Steine, an Bäume, an eine Felswand, an Licht an eine Kraft.

Der Glaube sucht die Fußspuren der eigenen Vergangenheit.“

In Israel empfängt Dorothe Sölle auch eine wichtige Anregung von dem Religionsphilosophen Martin Buber.

Als sie ihm erzählt, dass sie Theologie studiert, fragte er erstaunt, wie man das denn mache? Logisch, systematisch von Gott zu reden. Können wir ihn nicht besser mit poetischen Geschichten umkreisen?

Nach dem Studium der Theologie arbeitet Dorothee Sölle als Religionslehrerin uns Schriftstellerin in Köln und ringt um ein zeitgemäßes Verständnis des Christentums. Jungfrauengeburt, leeres Grab, Wundergeschichten und Dogmen , wen konnte so etwas interessieren?

„Es gab zwar etwas, in dieser Tradition das mich nicht los ließ, das war Jesus Christus!

Dieser zu Tode gefolterte, der doch nicht Nihilist oder Zyniker geworden war, wieso viele Menschen in meiner Umgebung nach der deutschen Katastrophe! Aber dieser Mann aus Nazareth war durch die kirchliche Tradition verstellt.

Die Platitüden des Konfirmantenunterrichts, die Langeweile der Gottesdienste und ihr autoritärer Anspruch, selbst wenn es eine christliche Substanz gab, ich konnte sie in der kirchlichen Verpackung nicht erkennen.“

Gelten diese Worte nicht immer noch? Welche Bedeutung hat Religion noch in unserer Spaß- und Leistungsgesellschaft?

Ethik??

Viele Menschen  brauchen noch immer die Kraft des Glaubens für ihr Leben. Tausende von Vorhängeschlössern visualisieren das Bedürfnis jung Verstorbene oder Liebesbeziehungen mit dem Segen einer höheren Macht versehen zu lassen!

Dorthee Sölle hielt nichts von Aberglaube oder Esoterik sondern befragte die christlichen Symbolwelten nach ihrem Potential, Leiden, Protest und Hoffnung ausdrücken zu können.

Einer der provozierenden Slogans für die Sölle berühmt werden sollte lautet:

„Vietnam ist Golgatha!!

Befehl ist Befehl

Gott ist durch seinen Sohn auch im Dunkeln anwesend, in der tiefsten Verletzung, er starb im Napalm-Regen von Vietnam und in den Konzentrationslagern von Auschwitz und Chile!

 

In unseren Tagen, so würde D. Sölle sagen, hätte er die Folter Saddam Husseins Gefängnissen ertragen müssen, aber auch die Demütigungen der Amerikaner in Abu-Ghuraib  und Guantamano. Sie hat uns alle mit diesen Sätzen gelehrt und selbst entdeckt, dass die alten Metaphern die Geschichtswirklichkeiten, z.B. die Kreuzigung in Jerusalem, nicht isoliert in der Geschichte stehen, sondern, dass die sich wiederholen, dass die Menschen gekreuzigt werden, dass auch die Erde gekreuzigt wird, das eben das Leiden zufügen und die Bedeutung, die das hat nicht in der Geschichte stehen geblieben ist, sondern dass genau diese Deutung des Leidens und des Kreuzes sie in die Gegenwart tragen will.

Also:

Die menschlichen Kreuze sind nicht vom Kreuz Christi zu trennen. Christus leidet fort bis zum Ende der Welt, er leidet fort in Vietnam, in den verhungerten und verbrannten Bauern und Kindern, Das ist nicht so fremd christlich gesehen

→ Math. 25 – Was ihr einem geringsten getan habt, habt ihr mir getan!

Vietnam ist Golgatha!

Aber es war immer ein merkwürdiges Interessen der Kirche, das Kreuz, das Geschehen am Kreuz, als etwas völlig einmaliges und unvergleichbares darzustellen. Während die Kraft aber eigentlich darin liegt, dass es vergleichbar wird, dass das menschliche Leiden seinen Ausdruck im Kreuz findet und seine Hoffnung auch!

Um die Bibel in direkten Bezug zu Menschenrechtsverletzungen ihrer Zeit zu stellen, gründet D.Sölle1968 gemeinsam mit ihrem Mann Fulbert Steffensky, die berühmten politischen Nachtgebete der Kölner Antoniterkirche.

Diese Veranstaltungen waren der Amtskirche ein Dorn im Auge, spannende Ereignisse, in die hunderte von Besuchern strömten um eine völlig neuartige Verbindung von poltischer Informationen, Meditationen und Spiritualität zu erleben.

Das war eine Sensation, unter den Theologiestudenten auf jeden Fall, alle sind dahin gepilgert. Es war eine Möglichkeit, alles am Gottesdienst, intensiv  und anders zu gestalten, auch die Musik, vor allen Dingen die Texte. Man ging von der Zentralfigur der „Einen“ Schriftauslegung weg und es war gelebte Gemeinschaft. Etwas, was es sonst eigentlich nur in der Dritten Welt gab, so ein Gespür war plötzlich in unseren Gotteshäusern.

Sie hat mit ihren Nachtgebeten auch den Kirchentag verändert. Das ist für den Kirchentag ein Schlüssel gewesen, Beteiligung, Spiritualität so leben, dass Politik und Frömmigkeit zusammen kommen, das waren ganz neue Formen.

Vorher war er mehr Volkshochschule des Glaubens gewesen.

Diese politischen Fragen hereinzunehmen in die Spiritualität. Das hat ungeheuer viel verändert.

Als besonders provozierend wurde ein neu formuliertes Glaubensbekenntnis von Dorothee Sölle empfunden.

In dem Sie einen Gott anruft, der nicht als ein abgeschlossenes Wesen, sondern als offene, kreative Kraft gedacht wird.

Prozeßtheologie

Ich glaube an Gott, der die Welt nicht fertig geschaffen hat, wie ein Ding, das immer so bleiben muss. Der nicht nach ewigen Gesetzen regiert, die unabänderlich gelten, nicht nach natürlichen Ordnungen, von Armen und Reichen, Sachverständigen und Uniformierten, Herrschenden und Ausgelieferten.Ich glaube an Gott, der den Widerspruch des Lebendigen will, und die Veränderung alle Zustände durch unsere Arbeit, durch unsere Politik.

Dieses Glaubensbekenntnis traf so sehr, das,  was gotteshungrige Menschen sagen wollten, dass dieses Gebet überall in deutschsprachigen Ländern verbreitet war.

Sie fand dann irgendwann mal einen Zettel, ein Gottesdienstzettel, wo dieses Gebet abgedruckt war. Darunter stand „unbekannter Dichter“! Darauf war sie sehr stolz. Mit Recht natürlich! Dass schon niemand mehr wusste, dass das von Ihr war.

Zu D.Sölles Gottesbegriff jenseits von dogmatischen Festlegungen, gehört auch die Vorstellung, dass sich der Name Gottes nur in Metaphern umkreisen lässt.

Sie schreibt zeitlebens Gedichte und prägt den , Begriff der Theo-Poesie gegen den all zu wissenschaftliche Begriff der Theologie.

„Komm doch zu mir Engel der Schlafenden, ich trete die alte Mühle der Sorgenden, meine Hände sind ruhelos, die Glieder verknotet und ungelöst. Meine Gedanken klappern das Unglück ab. Komm doch zu mir Engel der Schlafenden in dieser Stunde liegen die Gefolterten wach. Kühl ihre Wunden, streck die verrenkten Glieder, lieber stummer Engel der Schlafenden. Meine Gedanken sind in den befreiten Gebieten El Salvadors, die sie jetzt mit Napalm behandeln. Meine Ängste kreisen um ein krankes Kind. Engel der Schlafenden, ich rufe dich seit Stunden, leg Deine dunkle Decke über meine  verwachten Augen, komm doch zu mir und grüß den anderen Engel, deinen dunklen Bruder.“

 

Den von Männern bestimmten theologischen Fakultäten dieser Zeit ist D.Sölle zu aufsässig und ihre Theologie zu unwissenschaftlich.

1971 wird ihre Habilitations-Schrift zwar an der Universität Köln angenommen, aber die Prüfer lassen sie durch das mündliche Examen fallen.

Später unterbrachte ihr man die Bemerkung eines beteiligten Professors, wo nach sie die Unverschämtheit besessen habe, einen Monat vorher noch ein Kind zu bekommen.

Ein viertel Jahr später wiederholte sie die Prüfung erfolgreich, aber sie wird niemals einen Lehrstuhl für Theologie in Deutschland bekommen.

Das ist bis heute ein Skandal, dass D. Sölle, die so aufsehenerregende Bücher geschrieben hat, die so viele Studenten hören wollten, dass diese keinen Lehrstuhl bekam. Das lag ursprünglich nicht daran, dass sie eine feministische Theologie hatte. Das hat sie erst hinterher unter dem Einfluss von Amerika aus gebildet. Es lag schlicht daran, dass sie eine Frau war und dass sie ander über Gott redete. Aber da spielte eine feministische Auslegung noch gar keine Rolle!

„Was hat ein ordentlicher theologischer Professor zu sein?“

Also an der Haltung der Fakultäten zu D.Sölle konnte man schon vorweg ahnen, dass es zu einem Konflikt der Studentenbewegung kommt. Denn das lag  vorher, aber da war diese Art von Muff von 1000 Jahren, gegenüber jemand, der relativ ungeschützt aber doch aufregend und dicht bei den Studenten denkt, handelt, experimentiert, eine große Bereicherung.

Für alle ein großes Vorbild für das was man später in den Gemeinden versuchen wollte. 1975 zieht sich D.Sölle für 6 Wochen in den kleinen italienischen Ort Monte Rosso zurück um sich intensiv mit der deutschen Mystik zu beschäftigen.

Dieses Thema wird sie nicht mehr loslassen, weil sie darin wichtige Inspirationen für ein spirituell erneuertes Christentum findet. Vor allem berühren sie von den Mystikern oft benutzten Bilder des Wassers, die die Erfahrung des Loslassens umschreiben. Die Versenkung in einen bodenlosen Abgrund des göttlichen, der nicht mehr mit männlichen Metaphern, wie Herr, oder Vater bezeichnet wird, sondern mit Bildern, wie glanzvolles Dunkel oder fließender Brunnen. Dabei macht sie die Entdeckung, dass solche Erfahrungen nicht in Weltflucht enden müssen, sondern auch zu gesellschaftlichen Engagement führen können.

Sie behauptet:

und das ist ein überraschende Neuentdeckung, dass sich die Mystiker abgeschlossen haben von der Welt, sondern, dass die Versenkung in sich eine neue Zuwendung zur Welt verursacht.  — „Wir müssen die Natur nicht retten, aber uns!!“  

Das war für sie „Widerstand!“

D.h. Für sie gehört zusammen, was in der Tradition der Theologie eigentlich nicht genehm war. Jede mystische Frömmigkeit entzieht sich einer Organisation. Das widerspricht sich!

D.h. Die hat immer was privates unorganisiertes.

Wenn sie bei Luther die Altdeutsche Mystik die er 1516-18 nochmal gelesen hat. Da sind natürlich die Brüder vom freien Geiste Mystiker.

Die haben sich kirchliche Verfolgung zugezogen. Weil sie in denen eben die Priester keine Rolle spielten. Mystische Erfahrungen sind antiautoritär per se! Deswegen sind auch alle die Widerstand leisten gegen die Organisation, immer auch mit einem mystischen Kern versehen. Im August 1983 hält Dorothee Sölle eine provokative Rede vor dem Welt Kirchenrat in Vancover, in der sie solche Einsichten über Spiritualität und Politik auf die unmittelbare Gegenwart bezieht.

„Ich spreche zu ihnen als eine Frau, die aus einem der reichsten Länder der Erde kommt. Einem Land mit einer blutigen nach Gas stinkender Geschichte. Die einige von uns Deutschen noch nicht vergessen konnten. Einem Land, das heute 1983 die größte Dichte von Atomwaffen in der Welt bereit hält.

Christus kam in die Welt, damit alle Menschen Leben haben, und es in Fülle haben. Für rund 2/3 der menschlichen Familie gibt es kein Leben in Fülle, weil sie in nackter, ökonomische bedingter Verarmung an der Grenze zum Tod leben. Aber auch innerhalb der ersten reichen Welt gibt es wenig erfülltes Leben und statt dessen eine sich immer weiter ausbreitende innere Leere.

Wenn Christus gekommen ist, damit wir die Fülle des Lebens gewinnen, so ist der Kapitalismus gekommen um alles zu Geld zu machen.

Das ist der getreckte Tod, den wir in den Leeren Gesichtern sehen.

Die Fülle des Lebens kommt nicht, wenn du schon alles hast.

Wir müssen erst leer werden für Gottes Fülle.

Der reiche Jüngling wird in Depression verfallen, er kann nichts an seinem Leben ändern, er kann sein Leben nur sichern, er wird es immer sicherer machen, damit man ihm nicht wegnehmen kann!

Wir können die Fülle des Lebens nicht erfahren, solange wir unter der Bombe leben.

Die das wichtigste Symbol unserer Welt ist und das was die Politiker alles fürchten, leben, erforschen und bezahlen.

Reich ist die Welt in der ich lebe, vor allem an Tod und besseren Möglichkeiten zu töten.

Der Militarismus ist der größte Menschheitsversuch Gott endgültig loszuwerden, die Schöpfung ungeschehen zu machen und die Erlösung zur Fülle des Lebens zu verhinder.

Ein Leben in Fülle kann für D.Sölle auch nicht in einem Land wie Deutschland statt finden, in dem zu diesem Zeitpunkt tausende von Atomsprengköpfen stationiert sind. Allein in der amerikanischen Pydna errichtete militärische Anlage ist eine ehemalige Raketenstation der NATO, gelegen im Hunsrück, lagern ab 1984 dutzende von Marschflugkörpern (englisch cruise missile, eingedeutscht: Cruise-Missile) mit der tausendfachen Zerstörungskraft von Hiroschima.

Die Abschussanlagen waren so gebaut, dass auch wenn im Hundsrück nach einem Atomangriff kein Mensch mehr gelebt hätte, noch der tödliche Gegenschlag möglich gewesen wäre. Wandmalereien der US-Soldaten künden von einstigem Stolz ihrer potenten Waffen, etwa in der Anspielung auf dem Rocksong BAD to the Bone, der davon handelt, dass nur die bad guys die stärkste erotische Anziehungskraft haben.

Doch die Wirklichkeit sah anders aus. Im Januar 1984 explodierte auf dem US Stützpunkt Heilbronn Waldheide eine Pershing II Rakete, in deren 3000 Grad C heißem Feuer wurden 3 Soldaten getötet und 16 schwer verletzt. Wären die Teile nur 130 m weiter geflogen,  hätten sie nukleare Sprengköpfe treffen können und der Großraum Heilbronn wäre in einer Plutoniumkatastrophe verstrahlt worden.

Das war ein Anspruch über das ganze Leben der Welt herrschen zu können und das ohne Widerspruch tun zu können.

Dieser Anspruch mit einer totalen Vernichtungskraft 10:10 in den 80er Jahren war das 25-facher Overkill. Also 25x die Fähigkeit die ganze Erde mit allem drum und dran zu zerstören.

Und eine Station die am weitesten westlich vorgerückt war, war hier im Hundsrück. Und damit für den angenommenen Gegner die gefährlichste. Das Denken das dahinter steht ist ein Mißbrauch menschlicher Weisheit menschlichen Denkens, menschlichen Hirns.

Das wir dazu fähig sind weiß ich, wir sind Raubtiere von Natur aus und das andere halten wir immer wieder zu lernen, dass wir menschliche Menschen sein dürfen und auch wollen.

D. Sölle war ein Vorbild auch dafür, wie der Glauben bodenständig sein kann. Also nicht im traditionellen und konservativem Sinne, sonder eben mit beiden Füßen auf der erde und den Kopf im Himmel. Dieses Symbol ist genau das, zu wissen, was uns trägt und hier auf dieser Erde.  Mit anderen Schriftstellern, Theologen und Politikern nimmt D. Sölle an Protestveranstaltungen und Sitzblockanden vor Atomwaffenlagern in der ganzen Bundesrepublik teil Im August 1985 wird sie dabei sogar verhaftet und vor Gericht gestellt.

„Ich erinnere mich an eine im zivilen Ungehorsam vollzogenen Besetzung des Atomwaffenlagers im Hundsrück, wo wir gemeinsam das Vater-Unser sprachen.

Etwa 40 Menschen standen den ein- und ausfahrenden Militärfahrzeugen gegenüber und sagten „Dein Reich komme“. Ich habe diesen Satz so nie gehört , wie so klar gehört, wie anders das reich ohne Mordinstrumente aussähe. Nie so gefühlt, was es heißt zu beten. In allen Beteiligten war die Mystik des guten Anfangs. Der Wiederherstellung des guten Anfangs und Widerstand, gegen den Terror und die Gewalt als Lebensform zugleich gegenwärtig!“

Der Begriff von Widerstand der an vielen Stellen mystischer Traditionen aufleuchtet ist weit und vielfältig. Er beginnt mit dem nicht zu Hause sein in der Welt der Geschäfte und der Gewalt.

Die massive Vernichtungskraft der Atomwaffen ist für D. Sölle auch ein Angriff auf die Schöpfung auf die Schönheit und das Wunder der Natur. Wir für sie auch schon ein Tor zum Göttlichen darstellt.

Die Natur war für sie eine Quelle von ständiger Erneuerung und Stärke und wenn das so ist, dann muss Gott in der Natur sein. Heute würde sie vielleicht sagen, dass die Argumente, die die atheistische, agnostische Seite vorbringt nicht mehr als eine Hypothese sind, nämlich dass da nichts ist. Wenn man glaubt, es existiert nur was man in die Petrischale legen kann, dann ist das auch ein Glaubenssatz. Denn wir wissen auch in unserem menschlichen Zusammenleben, dass es viele Dinge gibt, die wir nicht wissenschaftlich nachweisen können.

Eine christliche Erfahrung braucht aber auch den Rückbezug auf die Bibel. Dieser Gott aus der Bibel kann ich dann auch in der Natur erfahren. Die Kirchen sehen den Sinnlichkeitswunsch des Glaubens nicht, haben ihn einfach abgetan. Ich glaube an Gottes gute Schöpfung, die Erde sie ist heilig heute und morgen, taste sie nicht an, sie gehört dir nicht und keinem Anderen.

Was könnten wir von Gott wissen, ohne die Natur, die Erde unsere Mutter, wie könnten wir von Gott reden ohne die Blumen, die Gott loben, ohne den Wind und das Wasser, die im „Rauschen“ von ihm erzählen.

Wie könnten wir Gott lieben, ohne von unserer Mutter das hüten zu lernen und das Bewahren? D.Sölle spricht vom Behüten der Erde und der Natur. Konnte sich die unermüdliche Kämpferin für das Gute und die Natur auch selbst behüten? Oder brannte in ihr ein Feuer, das sie auch manchmal selbst zu verzerren drohte? Es hört sich vielleicht etwas .. an was ich über sie sage.

Der Schmerz der Welt hat sie geschüttelt und dreist dorthin gefahren und dorthin. Sie war zunächst ein hundsgewöhnlicher Mensch, die gerne gegessen hat, Wein getrunken hat, gelegentlich auch eine Zigarette geraucht hat, oder ganz früher auch eine Pfeife, die ärgerlich sein konnte usw. Von ihren Kindern wurde sie nie ganz ernst genommen. Wir hatten immer sehr schöne Streite. Natürlich gab es ihre Einseitigkeit, ihre einseitige Voreingenommenheit das bedeutet ein Stück auch politischer Blindheit. Aber Einsichtigkeit hat auch noch eine andere Bedeutung. Sie öffnet auch die Augen. Also wenn ich vorrangig auf die Opfer sehe, was ihnen angetan wird, wenn die Armen dieser Welt meine vorrangige Option sind, und nicht das allgemeine Leiden, ist man einseitig aber man ist zugleich ein Mensch mit geöffneten Augen. Aber auch politisch einseitig. Zu den Menschenrechtsverletzungen im Osten hat sie wenig gesagt. Sie sagte, wir sind in einem anderen Bündniskomplex. Unsere Bündnispartner sind andere und die müssen wir kritisieren.

Nach dem D.Sölle keinen Lehrstuhl für Theologie in Deutschland bekam, bietet ihr das Union Theological Seminary in New York eine Professur an. Die Arbeit und das Leben in dieser Stadt werden zu einem großen Abenteuer, das ihr ganz neue Erfahungsräume aufschließt.

„Ich kam mit einer ganzen Menge Vorurteile im Gepäck an, wie die meisten intelektuellen Europäer. In vielerlei Hinsicht war ich sogar äußerst kritisch,  dann setzte es mich in Erstaunen, dass die Matthäus Passion in dieser Stadt vielleicht 30 mal der Messias von Händel 100mal aufgeführt wird. Ich hatte gar keine Ahnung, dass ich mich auf die Hauptstadt der Kultur zu bewegte. Zu erleben, wie meine vorgefassten Meinungen enttäuscht wurden ,war für mich überraschend. Es gibt eine Art von europäischen Kulturimperialismus der auch in den deutschen Universitäten sehr zu Hause ist. Es gab natürlich unendlich viel Schund in dieser Hinsicht, aber vieles in diesem Land ist ungeheuer groß. Das war vielleicht mein stärkster Eindruck, die Weite des Landes im Sinne von weiteren Möglichkeiten und Versuchen sie auszuprobieren.

Dem Neuen eine Chance zu geben, wie einer dieser zahllosen amerikanischen Sprüche lautet. Das Union Theologial Semenary in dem auch schon Dietrich Bonhoeffer und Paul Tillich lehrten ist auch heute noch ein Ort von großer Kraft. Es sieht aus wie ein altes schottisches Schloss oder wie ein Kloster, in dessen Garden die Studenten auch Ruhe zum Arbeiten und Entspannen finden können.

Im Union lernte D.Sölle auch das andere Amerika kennen. Wehrdienstverweigerer, Bürgerrechtler, Greenpeace, Aktivisten, Befreiungstheologen aus Südamerika, sowie Vertreter der Friedens- und Frauenbewegung.

Ein Beispiel für die enge Verbingung von Spiritualität und Politik kannte ich in einem Seminar über den Theologen Dietrich Bonhoeffer erleben, der 1945 von den Nazis hingerichtet worden war. An seinen Gedanken zeigten sich vor allem auch Studenten interessiert, die aus Militärdiktaturen und Staaten aus Union gekommen waren. Auch sie schienen in ihren Heimatländern schon erfahren zu haben, wie man die Botschaft Jesu unter bestimmten Umständen sein kann.

Genau diese Spannung faszinierte auch Dorothee Sölle an die sich noch einige ältere Professoren am Union gut erinnern konnten.

„Dorothee Sölle passte nicht nur gut hierein sie war eine führende Persönlichkeit. Sie war sehr wichtig für uns hier. Ihr waren Geschichten, persönliche Erfahrungen und konkrete Realitäten wichtig, politisch und nicht nur psychologisch. Dafür brachte sie große Fähigkeiten mit. Sie war charismatisch im besten Sinne des Wortes und darauf sprachen die Menschen an. Sie hatte den Ruf, besonders ehrlich zu sein, geradeaus und mutig zu sein. Diese kleine, scheinbar fragile Person hatte so eine große Sicht auf die Welt und ihre Möglichkeiten. Sie wollte hier immer nur ein Semester/Jahr unterrichten, so dass sie auch noch woanders sein konnte, vor allem in Lateinamerika. Das zeigt, was sie für uns hier war. Sie lud uns immer zu einem Dialog ein, egal ob mit der Mystik oder der Poesie, aber niemals ohne diese unsere Welt.

Es gab kubanische Rhythmen, es gab Gedichte von Ernesto Cardenal, ganz unakademisch direkt und das ist das gewesen dem D. Sölle so entsprochen hat. Die lange Verbindung zwischen logischer Argumentation und freudiger, auch abgründiger Poesie und Vernunft zu verringern. Vielleicht alles in einem Raum zu versammeln. So hab ich die Studenten erlebt. Also auch sehr unternehmungslustig im besten Sinne.

Das alles war natürlich in der Hochzeit der Friedensbewegung, wo die Studenten selbst auch sehr stark politisiert waren und gleichzeitig parallel in dieser Riverside Church große Gottesdienste liefen gegen die große amerikanische Aufrüstung und Demos waren auch in New York.

Auch in New York bleibt die Mystik eine wichtige Kraftquelle für Sölles viellältige nsozialen Aktivitäten. Sie bietet Seminare zum Thema an und beginnt die Arbeit an ihrem Hauptwerk Mystik u. Widerstand. Welch aufregender Gegensatz, die überquellenden Licht-Kaskaden der nächtlichen Supermetropole mit ihren Kinos, Bars und Vergnügungstempeln und die Innerung einer Mechthild von Magdeburg, die in poetischen Visionen das Mysterium Gottes umkreist.

Ich selbst wollte mal einem früheren Kollegen klar machen, dass Widerstand vor allem mit dem Kampf gegen das Ego beginnt!!

Ich bin gescheitert wie so oft!!

Gorleben schein ein anderer Widerstand zu sein.??

„Ich tanz Herr, wenn du mich führst, willst du dass ich sehr springe, so musst du selbst beginnen mit singen. So spring ich in die Minne, von der Minne zum Erkennen, vom Erkennen zum Empfinden = Emotion, vom Empfinden über alle Menschensinne, da will ich bleiben und noch höher, weiter, höher kreisen.“

Mechthild von Magdeburg war D. Lölles Lieblingsmystikerin, sie zählte zu den Beginen, eine Gruppe gebildeter Frauen, die im Mittelalter in eheloser Unabhängigkeit leben wollten um ihren geistigen Interessen nachgehen zu können. Eine Art erste Frauenbewegung. Die Beginen lebten in eigenen Wohngemeinschaften, viele von ihnen waren Dichterinnen die die Amtskirche kritisierten und Gott auf eine unkonventionelle Weise besangen. Die Folge war oft die Verehrung ihrer Bücher, manche wurden sogar selbst als Hexen hingerichtet. Mechthild von Magdeburg zog sich daher am Ende ihres Lebens in das Kloster Helfta im Südharz zurück, wo sie Schutz vor den Angriffen der Kirchenoberen suchte. Dort vollendete sie ihr Werk das fließende Licht der Gottheit, in dem Gott in erotischen Gesängen, wie ein Liebhaber umkreist wird. Und jede Hierarchie zwischen ihm und dem Gläubigen überwunden ist!!!

Aja viel Geliebter, wann wird dich Gelüsten, wonach mit gelüstet. Herr, die Macht des Verlangens hat mich sprachlos gemacht, könnte ich dich durch Bezauberung gewinnen, dass du bei mir ruhen möchtest, da ginge das Minnen erst richtig an. Und dann müsstest du mich bitten dass ich noch bei Sinnen bliebe. Du bist mein Spiegelberg, meine Augenweide, der Verlust meiner Selbst, der Sturm meines Herzens, das Zusammenbrechen und das verschwinden meiner Kraft, meine höchste Sicherheit.

Der Mystiker ist entzückt vom Überfluss Gottes, der er wie eine Liebesgabe überall im Universum wahrnimmt.

Durch Meditation schafft er Leere in sich um selbst ein überfließendes Gefäß zu werden.

Das stellt ihn in Opposition zu den Mächtigen und Habgierigen, die immer nur alles beherrschen und festhalten wollen.

Ein solcher Rebell war für Dorothee Sölle auch der Prediger Thomas Münzer der in den Bauernkriegen des 16. Jahrhundert für sein ekstatische Gottesicht nicht sterben musste.

s.w. unten

Bei Münzer ist es vor allem der mystische Moment der Verwunderung, der zu sozialer Kritik und Aufruhr führen kann. Das Staunen über die geheimnisvolle Schönheit der Schöpfung erinnert uns daran, dass diese nicht nur wenigen Herren und Großgrundbesitzern gehört. Die Geistlichen seiner Zeit sind für Münzer keine Diener Gottes mehr, sondern Wuchersüchtige Teufelspfaffen und Hurenpfaffen, die mit ihrer lateinischen Wortmagie den Menschen benebeln um ihn besser ausbeuten zu können.

Münzer macht sich stark für das Leid der einfachen Bauern und Handwerker, die von Fürsten und Geistlichen mittels Frondienst, Ablass und Steuern geknechtet werden. Gegenüber autoritären Bibelauslegung der Kirchenoberen, fordert er eine direkte Gotteserfahrung, die auch Träumen und Visionen inspiriert werden kann. Eine solche Erfahrung geschieht für Münzer in der Konfrontation mit dem Abgrund der Seele, der Dunkel und Schmerz erfüllt ist, aber in der auch ein göttlicher Funke glimmen kann.  Dazu muss man die Heiligen-Schriften verstehen, weshalb Münzer als Prediger in Altstet deutsche Texte in den Gottesdienst einführt. Das dadurch erweckte Fünklein in der Seele, heißt Sehnsucht, Mut und Hoffnung und führt unter den damaligen sozialen Umständen, auch zu Gefühlen wie Zorn, Aufruhr und Hass.

Christus Passion, so predigt Münzer, sei nicht beendet, sondern setze sich auch in der Gegenwart fort. Eine Parallele zu Sölles Gleichsetzung von Vietnam und Golgatha.

Luthers Obrigkeitsdenken hält dagegen, dass es vor allem christlich sei, sich nicht gegen Unrecht zu sträuben, sondern es als Märtyrer auf sich zu nehmen. Daher seien die aufsässigen Bauern kriminelle Banden und müssten tot geschlagen werden, wie ein toter Hund! Ja, toll. Luther arbeitet mit starken apokalyptischen Bildern, der Teufel, so predigt er, biete alle Kräfte auf, um das Wort Gottes anzugreifen. Listig erzeuge er falsche Propheten und irrsinnigen Geister, wie etwa Thomas Münzer. Den er den Satan von Altstett nennt. Angefeuert von Münzer rüsten die Armen und unterdrückten auf und schrecken auch nicht davor zurück Schlösser und Klöster zu plündern. Unter der Leitung von Philipp von Hessen schlagen die Fürsten mit 2000 Reitern und 5000 Mann Fußfolk zurück. Im Geschützfeuer der überlegenen Regierungstruppen sterben 6000 Bauern, Münzer wird gefangen genommen und zum Wasserschloß Hilldrangen gebracht, wo er 12 Tage verhört und gefoltert wird. Zusammen mit einem genossen wird er aum 27. Mai 1525 enthauptet. Ihre beiden Köpfe werden auf Stangen gespießt und zur Abschreckung öffentlich ausgestellt.

Waren die Mystiker für D. Sölle Lehrmeister des Widerstands, so waren sie auch Lehrmeister des Sterbens.

Ein scheinbarer Widerspruch, der aber mit der Kunst des „Loslassens“ zu tun hat. Wer sein Ego loslässt, nimmt deutliche Herrschaftsstrukturen wahr, die immer auf das Festhalten hin orientiert sind. Und er kam im Moment des Sterbens seine Endlichkeit besser akzeptieren!

In ihrem letzten Buch „Mystik des Todes“, beschrieb Dorothee Sölle eigene Erfahrungen mit Alter und Krankheit, sowie unsere Schwierigkeiten mit Tod und Endlichkeit.

„Der Tod gehört nicht in die Lebenslandschaft der reinen Macher und Sieger. Wir leben in einer Landschaft in der Alte jung und stark, reich, intelligent und schöne sind. Oder so tun müssen. Die Schwachen, die Alten, die Sterbenden zählen nicht. Und dann hat das vergehende Leben keinen Namen. Es stirbt sich schwer in dieser Landschaft der Sieger, die ohne Erinnerung auskommt.

Ich habe mir das Leben nicht selbst gegeben. In den Mantel meines Lebens ist hinein gewoben, all die Zuneigung und Zärtlichkeit der Menschen, die nicht mehr hier sind und an die ich mich erinnere. Ich muss nicht anfangen mit dem Leben und alles als „Erste“ tun, ich muss auch nicht alles fertig bringen was ich gerne mit meinem Leben getan hätte. Ich kann fragmentarisch leben. Wie das Leben meiner Toten Fragment gewesen ist. Sie Lehren mich etwas, was ich nicht vergessen will, sie sagen mir, dass ich sterben werde. Die Toten sagen wir noch etwas anderes. Was ich gekonnt habe, das wirst auch du können. Sterben. Und Manchmal denke ich, die toten wärmen uns. Vielleicht nimmt die Kälte in unserem Land auch deswegen zu, weil die toten keine Stelle mehr haben und wir sie aus Angst vor dem eigenen Sterben aus dem Gedächtnis verbannen. Es gibt eine skrupellose Heutigkeit, die mit dem Vergessen der Toten zusammen hängt und ihre gnadenlosen  für alle später geborenen bereit hält. „

D.Sölle hat ihre Mutter in den Tod begleitet. Das war eine Woche lang gelebte Praxis!

„Ich möchte diese Wiederentdeckung des Todes einbetten in ein anderes Nachdenken über die Schöpfung.

Ich vermute, dass unser Verständnis von Schöpfung innerhalb der Maschinenwelt einigermaßen beschädigt ist. Gott hat die Welt nicht so beschaffen, wie ein Konstrukteur eine Maschine schafft. Also ein fertiges Ding das man wegwirft, wenn es nicht mehr funktioniert. Die Schöpfung ist bestimmt von einem Rhythmus, einen Wechsel, den wir alle als Tag u. Nacht, Sommer u. Winter, Ebbe u. Flut, Wärme u. Kälte, Jungend u. Alter, erleben. Wenn Gott in der biblischen Erzählung am Ende schließlich alles als sehr gut ansieht, so sind nicht Perfektion, ewige Dauer, unveränderlicher Bestand gemeint, sonder dieser Rhythmus des Lebens. Ich liebe ihn, wir benötigen eine neue Spiritualität, die den Rhythmus des Lebens kennt und akzeptiert. Ich finde die Unsterblichkeits-Hoffnung problematisch. Ich glaube ja an das ewige Leben. Es geht weiter. Ich bin dann ein Tropfen im Meer, oder ein Stern am Himmel. Mein Glück hat immer mit Ich-Losigkeit zu tun. Das Ego irgendwann ganz loszulassen.

Weil diese Schöpfung gut ist!

 

Antje Vollmer

  • so einen Typ Frau gibt es heute überhaupt nicht mehr
  • dass man schon älter ist und völlig Mädchenhaft wirkt
  • bunte, clowneske Kleidung
  • plötzliche Begeisterung, plötzliche Depression ganz ungefiltert
  • Empörung – sehnsüchtige Sensibilität
  • suchen nach dem wichtigen ?????Wert, das einen auf die Reise bringt
  • was bin ich im Inneren
  • in Bildern sprechen
  • heute würde sie Kritik, Gutmensch fällen??????
  • aber sie war wirklich rein

 

  • nach Auschwitz kann man nicht mehr an Gott denken
  • der Weg in die Kirche war eine Suche nach Freunden, nach gleich Verletzten von diesem Auschwitz
  • Austausch mit dem Elterhaus war nicht möglich
  • Musik macht die Welt weiter
  • Satire, Cann, Kirkgegard wurden gelesen??????
  • Gudrun Enslin, Petra Kelly = geistiges Brot
  • die Fragen wurde in Büchern beantwortet
  • neu war ,wie sie diese Texte in die Exegese umsetzte. Philosph. von Heidegger?
  • – höre etwas, .
  • Ich bin nicht subjektivistisch

 

  • Jesus stand schonungslos zu den Schwachen und Opfern
  • der Himmel der Mächtige ist leer
  • Theologie hat keine Macht
  • ich bin  nicht nichts
  • interpretiere des Lebens auch der Leidenden, Hoffnung, Schützen, bewahren
  • männlichen, omnipotentes Schöpfer verschwindet

 

  • für die offizielle Kirche war das ..
  • auf deutsche Kathedern war…..
  • was kann man noch denken
  • wenn es den naiven Glauben an Gott nicht mehr gibt, was dann
  • → atheistisch Aus ….ist die einzige Lösung, der abgewandte Gott, er ist selbst ohnmächtig
  • mit der Kirche zu Ende gekommen? Sie öffnete wieder das Gespräch
  • sie war radikal, aber nie militant
  • Kalter Krieg, man muss bis an die Zähne bewaffnet sein, andere vernichten
  • zu einem Lager wollte sie nie gehören
  • eine andere Form finden den Gegner zu verstehen
  • Alternative zu zynischer Machtpolitik
  • das alles ist zu dumm gedacht Bösewichte / Engel
  • alles nur auf das eigene Interesse und den eigenen Sieg zu setzen das ist voll geblendet
  • Johannes Fauler (Mystiker) auf Minderheiten reagiert, ein Wissen von Machtpolitik der Kirchen und was spüren wir in Bildern und der Stille!!!
  • was war in einer betonierten Welt noch zu fühlen, zu denken, zu lieben
  • Botschaften in ein Meer schicken
  • mich hat ein Funke erwischt und den werde ich nicht mehr loslassen
  • ein Mystiker löst die Formen auf und ist damit ein Anarchist
  • Lösung auch für den Tod

Natur

  • Rilke – Eichendorf
  • Naturverständnis der Naturmystik
  • Zerstörung der Naturmystik
  • Ökologische Bewegung genaue Sprache
  • Natur u. Mystik sind die einzig wirklichen Gottesbeweise
  • Melancholikerin
  • sie war leer aber bekam aber aus der Natur…
  • sie war nicht nur Gift und Zerstörung
  • sie hatte eine Kitschnähe auch zur Natur
  • Pantheismus Gefecht gibt es nicht bei ihr
  • Herzen werden geöffnet durch Kitsch, dann ist es plötzlich wunderbar
  • große Dichterin, Lyrikerin
  • Auftreten auf Kirchentage
  • sensible Ruhe, Lachen, witzig, intelligent ohne dogmatische Floskel
  • Euphorie für den Dalai Lama, dessen Theorie ist aber Hacher ????als die einer D. Sölle!

Wieso suchen wir im Tibet und nicht bei uns, bei Menschen wie Dorothee Sölle,

das ist eine Katastrophe!!

 

 

3. Beispiel „Thoma Müntzer“

Credit: Getty Images/Hulton Archive

(auch Münzer; * um 1489 in Stolberg, Grafschaft Stolberg; † 27. Mai 1525 bei Mühlhausen, Freie Reichsstadt) war ein Theologe, Reformator, Drucker und Revolutionär in der Zeit des Bauernkrieges.

3. Beispiel „Joseph Beuys“

upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/0/...

Alles Folgende ist entnommen aus dem Film von Rüdiger Sünner.

Wiki Sünner

und ist eine sehr kurze Zusammenfassung mit meinen eigenen Worten.

Das Rudel:

http://reisen.grimo.info/wp-content/uploads/2010/12/jb_pack_rudel.jpg

Man könnte „Das Rudel“ als eine Art Urszene, bei der alle Elemente der Beuysschen Kunst enthalten ist beschreiben.

Einsamkeit, Tod, Verwundung daneben auch gleichzeitig die Erfahrung von Rettung, Wärme und Heilung.

Sind die Schlitten hungrige Wölfe die mich bedrohen oder sind sie zu meiner Bergung bestimmt?

Die Taschenlampen Augen von Verfolgern oder Lichtspender in der Finsternis?? War der alte rostige Bus in der Wildnis gestrandet wo wir nun sterben sollten, oder war er Teil eines Hilfskonvois der in letzter Minute Rettung brachte.

Am Ende überwiegen vielleicht Emotionen von Rettung und Geborgenheit in Mitten der Gefahr.

Man kann die wärmenden Filzdecken und die Energie der Fettkuchen und die Lampen fühlen, versetzt man sich lange genug in die Szene ergeben beide Schutz in der Dunkelheit.

Man hat damit eine neue Art von Kunst erlebt!

Vielleicht wie ein Rätsel, manchmal irritierend und doch aufregend in ihrer dunklen Schönheit.

Beuys kann als Poet nicht nur inspirierend, nein auch heilend auf uns wirken.

„Dieser Spinatökologismus der interesseirt ja nicht. Das einzige was sich lohnt aufzurichten ist die menschliche Seele.“

Beuys war nie bei den Tataren, aber gelebt wie ein Nomade hat er immer und eine tiefe Liebe zur Natur, Spiritualität hatte er auch. Dass er oft mißverstanden wurde, liegt daran, dass sich die Menschen bis heute nie wirklich mit ihren Emotionen beschäftigt haben!!

Auch das Schamanische der Tataren

Die Darstellung der tengristischen Drei-Welten-Kosmologie auf einer Schamanentrommel.[1] Der Weltenbaum steht in der Mitte der Welt und verbindet Unterwelt, irdische Welt und Himmel miteinander. Die vom Horizont herabhängenden Striche symbolisieren die Erd- Wassergeister.

Tengrismus

Die Lipka-Tataren (Lipka ist krimtatarisch für Litauen), auch bekannt als weißrussische Tataren, litauische Tataren oder polnische Tataren, sind eine Gruppe von Tataren, die sich zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf dem Gebiet des damaligen Großfürstentums Litauen ansiedelten.

Yavuut1

Der Mongolische Schamanismus ist eine traditionelle ethnische Religion in der Mongolei. Oft wird auch die Bezeichnung Mongolische Volksreligion oder Gelber Schamanismus benutzt. Es gibt Einflüsse durch den klassischen Schamanismus aus Sibirien. Diese Einflüsse wurden durch die nomadische Lebensweise der Mongolen und die damit verbundenen Kontakte zu anderen Volksstämmen begünstigt. Die traditionelle Religion war mit der Gesellschaft in der Mongolei eng verknüpft. Nach der Theorie von Julie Steward (1963–2006) besteht außerdem eine unmittelbare Beziehung zum Tengrismus.

Der Schamane – Joseph Beuys

 

Den Film kann man hier kaufen.

Rüdiger Sünner

Die Kunst von Joseph Beuys ist eine zutiefst spirituell motivierte Kunst. Nicht nur, weil er sich zeitlebens für Mythologie, Alchemie, Schamanismus, Anthroposophie und Traditionen eines keltischen Christentums interessierte, sondern weil Beuys die Aufgabe des Künstlers im Aufzeigen der Traumata seiner Zeit und der Initiation von Heilungsprozessen sah. Er reagierte damit auf psychische und ökologische Beschädigungen, die in unserer heutigen Gesellschaft sogar noch zugenommen haben. Ein Film von Rüdiger Sünner, ab März 2015 bei www.absolutmedien.de Mit Rhea Thönges-Stringaris, Sonja Mataré, Franz Joseph van der Grinten, Volker Harlan, Rainer Rappmann, Johannes Stüttgen und Wolfgang Zumdick. Sprecher: Hans-Peter Bögel, Klavier: Christian Fries (aus den Goldbergvariationen von J.S.Bach) Webseite zum Film: http://www.ruedigersuenner.de/Beuysfi…

Zusammenfassung:

Rüdiger Sünner (* 1953 in Köln) ist ein deutscher Buchautor und Dokumentarfilmer.

Nach seinem Abitur im Jahre 1970 studierte er Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie an der FU Berlin und spielte nebenbei in verschiedenen Rockgruppen. 1985 verfasste er seine Abschlussarbeit über die Kunst und Philosophie von Theodor W. Adorno und Friedrich Nietzsche. Diese Dissertation erschien 1986 unter dem Namen Ästhetische Szientismuskritik: zum Verhältnis von Kunst und Wissenschaft bei Nietzsche und Adorno im Lang Verlag. Von 1986 bis 1991 studierte er an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin. Er lebt als Buchautor, Filmproduzent und Musiker in Berlin. Bekannt wurde er für seinen Film über rechte Esoterik („Schwarze Sonne“).[1]

 

www.europa-verlag.com/down.asp?Name={OPMJVBLLSE... Lebensschule

 Würden die Pforten der Wahrnehmung gereinigt, erschiene dem Menschen jedes Ding, wie es hieß: unendlich.

William Blake

Goetheanum Dornach BL

Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass der Künstler Joseph Beuys sich immer wieder auf die geisteswissenschaftlichen Forschungen von Rudolf Steiner bezieht. Überraschend dabei ist, dass durch seine Zeichnungen, plastischen Arbeiten, Installationen sowie Vorträge sich wichtige Aspekte erschliessen, die Rudolf Steiners Überlegungen bisweilen ganz neu erleben und damit höchst aktuell werden lassen. Markant wird dies an seinen zahlreichen Zeichnungen und Aktionen zum Thema «Evolution», auf und in denen der dreigliedrige Mensch ebenso erscheint, wie der dreigliedrige soziale Organismus, aber auch Begriffe wie Saturn und Jupiter, Ätherleib und Golgatha oder Sal, Sulfur und Merkur. Auch Beuys ging weit hinaus über das Bild von der Evolution, das Biologen, Geologen und Physiker uns lehren. Für ihn ergibt sich erst eine sinnvolle ‘Geschichte’ der Evolution, wenn sie als ein Ereignisfeld betrachtet wird, auf dem Mensch, Natur, Kosmos und auch das gesellschaftliche Zusammenleben gleichermassen beackert werden. Damit begibt er sich auf eine Spur, die Rudolf Steiner ein halbes Jahrhundert vor seiner Zeit gelegt hat – und die zugleich über uns hinaus in die Zukunft weist. Denn für Beuys ist die Fortsetzung der Evolution in die Hände des Menschen gelegt. „Jeder Mensch ein Künstler“, erklärte Beuys, ein Schöpfer des Sozialen, ein unersetzlicher Mitgestalter der Welt, in der wir leben. Diese Gestaltungskraft jedes einzelnen Menschen, diese Lust, Zukunft zu denken und diesen Willen, sie durch eigenes Handeln mitzugestalten, brauchen wir heute mehr als alles andere.

Anlässlich von Beuys’ 100. Geburtstag im kommenden Mai soll daher vom 10.-13. Juni 2021 am Goetheanum ein Symposium stattfinden zum Thema:

«Die Evolution sind wir – Joseph Beuys/Rudolf Steiner», zu dem wir profilierte Beuysforscher und Menschen aus dem nahen Umkreis von Joseph Beuys gewinnen konnten:

  • Prof. Dr. Eckart Förster (Berlin/Baltimore)
  • Jonas van der Gathen (Fulda)
  • Gerald Häfner (Goetheanum Dornach)
  • Dr. Christiane Haid (Goetheanum Dornach)
  • Michael Heissenberg (Nürnberg)
  • Prof. Dr. Volker Harlan (Bochum)
  • Prof. Dr. Dieter Koepplin (Basel)
  • Philip Kovce (Herdecke)
  • Prof. em. Dr. Walter Kugler (Dornach)
  • Stephan Müller (Tenniken)
  • Rainer Rappmann (Achberg)
  • Johannes Stüttgen (Düsseldorf)
  • Dr. Rhea Thönges-Stringaris (Kassel)
  • Philipp Tok (Dornach)
  • Prof. Dr. Philip Ursprung (ETH Zürich)
  • Dr. Theodora Vischer (Senior Kurator Fondation Beyeler Riehen b. Basel)
  • Prof. Dr. Antje von Graevenitz (Amsterdam)
  • Dr. Maja Wismer (Leiterin Kunstmuseum Basel Gegenwart)
  • Dr. Wolfgang Zumdick (Aachen).

 

4. Beispiel „Anne Frank“

 

Annelies Marie „Anne“ Frank (* 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als Anneliese[1] Marie Frank; † Februar oder Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein niederländisch-deutsches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern und seiner Schwester Margot in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel. In den Niederlanden lebte Anne Frank ab Juli 1942 mit ihrer Familie in einem versteckten Hinterhaus in Amsterdam. In diesem Versteck hielt sie ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch fest, das nach dem Krieg als Tagebuch der Anne Frank von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht wurde.

Das Tagebuch gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust und die Autorin als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus.

  Tagebuch

 

 

5. Beispiel „Karl Berger“

BABYLON in Berlin - Karl Berger - Music Mind Berlin-Premiere

Karlhanns „Karl“ Berger (* 30. März 1935 in Heidelberg) ist ein deutscher Jazz

 

 

 

Vibraphonist und Pianist. Karl Berger zählt mit Albert Mangelsdorff, Gunter Hampel und Peter Brötzmann zu den herausragenden Musikern und stilprägenden Leitfiguren der ersten Generation des westdeutschen Free Jazz. Mit seinem 1973 gegründeten Creative Music Studio in Woodstock förderte er die Auseinandersetzung des Jazz mit internationalen Musikkulturen und prägte dadurch die Spielweise vieler US-Jazzmusiker.

Jazzmusiker sind fast alle religiös. Auf ihre Art natürlich. Weil Sie aber die Institutionen nicht wirklich lieben. Sprechen sie lieber von Spiritualität.

Das beste Beispiel ist John Coltrane!!

WDR

Die Spiritualität des Jazz

In seinem mit dem PEN/Faulkner-Award ausgezeichneten und im Chalice Verlag neu aufgelegten Roman Der Bär kommt heim entführt uns Rafi Zabor sprachlich brilliant in viele Sphären, unter anderem auch in die weite Klangwelt des Jazz.

The Bear Comes Home: A Novel: Amazon.co.uk: Zabor, Rafi: 9780393318630: Books

Zu den besonderen Musikern, die der Autor, selbst ein langjähriger Jazzkritiker und Schlagzeuger, seinen Leserinnen und Lesern ans Herz legt, gehören die US-amerikanischen Saxophonisten Sonny Rollins [/] und John Coltrane [/].

In den hier verlinkten YouTube-Videos spricht der Erstere über die Spititualität des Jazz, welcher »Leben und Tod, wie wir sie auf diesem Planeten kennen, transzendiert«, und der Zweite bläst uns genau davon eine wunderbare Kostprobe.

»Manchmal«, schreibt Rafi Zabor, »ergriff den Bären aber auch eine Wut auf alles, was nicht das Absolute war, und seine Musik schrie dann ihr Sehnen mit einer Hingabe heraus, die der von Coltrane ähneln musste, die aber, wie er schließlich begriff, das Einzige darstellte, was wirklich sein eigen war; und der Bär folgte dieser Hingabe oder Raserei in langen Phrasen durch die Aufschwünge und Windungen ihrer inneren Gesetze: Jede Note, die er spielte, setzte einen neuen Pflasterstein auf einen Weg, der immer neuen Theophanien ( „Erscheinung eines Gottes“, die Manifestierung Gottes in der Menschenwelt oder der Natur) zustrebte, dem Formen entstiegen wie gebetsvolle Annäherungen, welche das Absolute gnädig, wenn auch vor übergehend, zu bewohnen sich bereitfand, und dann hinwegstürzten als brennende Schalen vor aufeinanderfolgenden Offenbarungen und, abschließend, epistemologischem Feuer.« Weitere Leseproben…

In seinen »Plattentipps« am Ende des Buches schreibt der Autor:

»In der Mitte des Buches und zunehmend zum Ende hin beruft sich der Bär auf die Tenorsaxofonisten Sonny Rollins und John Coltrane, ersterer noch aktiv und letzterer 1967 verstorben, beide aber von überragendem Einfluss auf praktisch jeden, der heutzutage Jazz macht. Mit Vergnügen kann ich Rollins jüngste Scheibe Sonny Rollins + 3 empfehlen und möchte besonders auf das Meisterwerk “Cabin in the Sky” und auf den Blues “H.S.” hinweisen. Unumstrittene Rollins-Klassiker aus früheren Tagen sind u.a. The Freedom Suite, Newk’s Time und Saxophone Colossus. Einige der Soli aus Rollins Musik für den Film Alfie, bei Impulse erschienen, sind typisch für die Spielweise, die der Bär anstrebt, wenn er sich auf Rollins bezieht.

John Coltrane wächst gegen Ende zu einem zentralen Bezugspunkt heran, und tatsächlich ereignet sich die Klimax des Buches unter seiner Ägide, wenn der Bär sein Solo über “Pursuance” spielt, den dritten Abschnitt von A Love Supreme, erschienen bei Impulse. Im Text wird außerdem auf das Album Crescent hingewiesen, empfehlenswert sind ferner Coltrane Live at Birdland oder Coltrane oder überhaupt alle Impulse-Platten.«

 

Spiritueller Jazz

Auf der Suche nach Tiefe

„Diese Musik ist heilig“, schwärmt der armenische Jazzpianist Tigran Hamasyan.

Zehn Jahre lang hat er gewartet, bis er es wagte, uralte Gebetsgesänge so zu bearbeiten, dass sie in seine Klangwelt passen. Er ist nicht der einzige Pianist, der gerade spirituelle Musik früherer Jahrhunderte für den Jazz erschließt.

Tord Gustavsen nimmt sich norwegische Kirchenlieder vor. Eine armenisch-nordische Klangreise.

Von Jan Tengeler

Jarle Vespestad, Simin Tander und Tord Gustavsen (Hans Fredrik Asbjörnsen / ECM Records)
Jarle Vespestad, Simin Tander und Tord Gustavsen (Hans Fredrik Asbjörnsen / ECM Records)

Er ist geprägt von Namen wie John Coltrane, Pharoah Sanders oder Gary Bartz:

Musik ist mein Heiligtum

Normaly it takes a long time for a Band to get together.

 

Der spirituelle Jazz hatte seine Hochzeit in den 60er- und frühen 70er-Jahren. Nun ist er wieder da.

Und auch junge Musiker führen das Erbe fort.

Der spirituelle Jazz hatte in den 60er- und frühen 70er-Jahren seine intensivste und kreativste Zeit. Musiker wie John Coltrane, Pharoah Sanders oder Gary Bartz schufen mit ihren Bands epochale Meisterwerke, die bis heute Gültigkeit haben. Als der große John Coltrane 1967 starb, versank die internationale Jazz-Gemeinde in tiefer Trauer. Der Verlust des Innovators und spirituellen Führers markierte eine Zeitenwende: Etwa ein Jahrzehnt lang, sprach man von der Post-Coltrane-Schule.

Doch zugleich wurde die Trauer rasch abgelöst von einer geradezu explodierenden Kreativität: Musikerinnen und Musiker suchten neben der künstlerischen Freiheit immer mehr auch ökonomische Unabhängigkeit. Neue, selbst organisierte Labels entstanden und viele Fesseln wurden gesprengt. Der Jazz entwickelte immer neue Varianten, die aber eines gemeinsam hatten:

Häufig ging es um politische Inhalte und gleichzeitig spielte Religion oder vielleicht besser: Spiritualität – eine immens wichtige Rolle.

Viele Jahre später nannte man diese Musik Deep Jazz oder Spiritual Jazz.

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Spirituelle Dimension in der Musik äußerst wichtig

Und nun ist er wieder da: Durch immer mehr Sammlereditionen und Wiederveröffentlichungen – und durch junge Musiker, die sich dieses Erbes annehmen. Und auch im aktuellen Jazz lassen sich zum Beispiel mit dem englischen Trompeter Matthew Halsall und dem italienischen Schlagzeuger und Bandleader Tommaso Cappellato, Musiker finden, denen eine spirituelle Dimension in ihrer Musik äußerst wichtig ist und die damit an die alten Zeiten anknüpfen.

Es gibt eine große Anzahl Jazzmusiker und Jazzfans, die immer wieder auf die religiösen Wurzeln dieser Musik hinweisen, und die nicht selten dieser Musik eine fast religiöse Kraft zugestehen. Ist Jazz also eine spirituelle Musik? Ralf Bei der Kellen hat sich auf die Suche gemacht nach den religiösen Elementen im Jazz gestern und heute.

„Hier in Harlem, wo der Jazz geboren wurde, hier im Kreuzungspunkt urwaldhafter Rhythmik und Zügellosigkeit und europäischer Zivilisation – hier, Sie hören den Lärm, das sind kleine Schläger, die auf den Gläsern und auf den Tischen tanzen – so gibt man hier Beifall zum besten, Holzschläger auf die Tische, man klatscht nicht, das wäre zu ermüdend hier … “

So berichtet 1931 der Rundfunkreporter H. Hellmut live aus dem berühmten New Yorker Cotton Club. Es ist die Hochzeit des frühen Swingjazz. Abend für Abend spielen hier berühmte Orchester wie die von Cab Calloway oder Duke Ellington. Ihre Musik ist wild, das Publikum ist ausgelassen.

Roger Willemsen (aus dem Hörbuch „99x Jazz„): „Der Ursprung des Wortes ‚Jazz‘ ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich geht er auf einen Slangausdruck für ‚Beischlaf‘ zurück.“

Wolf Kampmann: „Da der Jazz sowohl Wurzeln hat in der afrikanischen Musik, aber auch in europäischer Sakralmusik, und dann wiederum in all diesen Mischformen, die es in amerikanischer Musik in Form von Gospel und Spirituals und Blues und so weiter gab, ist Jazz per se erst mal eine extrem spirituelle Musik.“

Zwei Aussagen über Jazz – die erste stammt aus dem Leitfaden „99mal Jazz“ von Roger Willemsen, die zweite von dem renommierten Musikjournalisten Wolf Kampmann. Es scheint kaum vorstellbar, dass diese auf Unterhaltung ausgelegte, geradezu hedonistische Musik religiöse Wurzeln haben soll.

Beschäftigt man sich mit den Lebensläufen einzelner früher Protagonisten, stellt man eines häufig fest: Viele der Jazzmusiker, die in den 20er und 30er Jahre in den Tanzschuppen und Speakeasys für Unterhaltung sorgten, waren Menschen mit einer starken religiösen Sozialisation.

Mary Lou Williams: „Thank you, good evening friends. I’d like to bring you up today to demonstrate the history of Jazz. First was the spirituals, Ragtime, Kansas City Swing-“

Die 1910 geborene Pianistin Mary Lou Williams leitete ihre Konzerte oft mit einem kurzen Abriss der frühen Jazzeinflüsse und Stilistiken ein. Die tiefgläubige Musikerin betonte dabei immer wieder das spirituelle Element und die heilende Kraft des Jazz.

„What we’re tyring to do is to bring good Jazz back to you. With the healing in it and the spiritual feeling. So I’d like to start out with the spirituals.“

Williams war ein Wunderkind. Schon im Alter von drei Jahren spielte sie auf dem Harmonium im Haus ihrer Mutter. Diese brachte ihr vor allem Spirituals bei, die die kleine Mary Lou sonntags im Gottesdienst ihrer Gemeinde vortrug. Viele Jazzmusiker machten ihre ersten und oft prägenden musikalischen Erfahrungen in ihren Kirchen. Der Journalist Derek Jewell schrieb 1977 in seiner Biographie über Duke Ellington:

„Jeden Sonntag besuchten Ellington und seine Mutter mindestens zwei Gottesdienste – üblicherweise einen in ihrer eigenen baptistischen Kirche sowie einen in der methodistischen Gemeinde des Vaters.Jeder Amerikaner afrikanischen Ursprungs mit einer religiösen Familie bekam in jenen Tagen durch die Kirchenbesuche ein solides musikalisches Fundament vermittelt.“

Wolf Kampmann: „Die amerikanische Gesellschaft ist sehr stark auf das Leben in religiösen Gruppen konzentriert. Und die Menschen, die in diesen religiösen Gruppen aufwachsen, sind dadurch natürlich für ihr ganzes Leben geprägt.“

Populär wurde der Jazz in den 20er und 30er Jahren als Unterhaltungsmusik – und nicht nur für den Teil der Bevölkerung, der afrikanischen Ursprungs war. Im Cotton Club waren nur die Bands und die Bedienungen schwarz. Der Status des Gastes blieb Menschen weißer Hautfarbe vorbehalten. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum Religion als Thema in den frühen Tagen des Jazz fast ausschließlich als Persiflage vorkam.

1931 nahm Ellington ein Stück mit dem Titel „Is That Religion?“ auf. Das von dem schwarzen Komponisten Maceo Pinkard geschriebene Lied macht sich über die vermeintlich primitive Religion der Nordamerikaner afrikanischer Herkunft lustig. Gesungen wurde es bezeichnenderweise von dem weißen Sänger Dick Robertson, der es mit einem überzeichneten schwarzen Dialekt vortrug.

„Bretheren! Sisteren! Hear my preachin‘, de good book teachin‘ is dat not reachin you?“

Ellington und Williams hatten ihre Religiosität in den 20er und 30er Jahren für sich behalten, hatten sie vielleicht sogar verdrängt, um konfliktfreier den weltlichen Entertainer geben zu können. Gut ein Jahrzehnt später gehörte Ellington zu den ersten Jazzmusikern, die ernsthafte spirituelle Kompositionen in ihr Repertoire aufnahmen.

1943 führte er erstmals seine Komposition „Black, Brown & Beige“ in der New Yorker Carnegie Hall auf. Er selbst bezeichnete die Suite als „musikalische Parallele zur Geschichte des American Negros“.

Das hier enthaltene Stück „Come Sunday“ ist heute fester Bestandteil des Gesangbuchs der methodistischen Kirchen in den USA. Der Bandleader schrieb noch weitere religiöse Werke, die in Kirchen auf der ganzen Welt aufgeführt wurden. Über diese Werke sagte er einmal:

„Diese Musik ist das wichtigste, was ich jemals gemacht habe oder jemals tun werde. Jetzt kann ich der ganzen Welt laut verkünden, was ich jahrelang auf Knien zu mir selbst sagte.“

Rainer E. Lotz: „Also ich glaube, der Sprung ist gekommen mit dem Übergang von der Gebrauchsmusik zur Kunstmusik, vom Freudenhaus und dem Tanzsaal zum Konzertsaal und eben die Musik nicht mehr ‚Gebrauchsmusik‘ war wie im Cotton Club. Sondern das war auf einmal konzertante Musik. Und dann konnten sich auch Musiker ganz anders entwickeln und konnten auch ihre Improvisationen so lange ausdehnen, wie sie Luft hatten und Ideen hatten.“

Der Jazzexperte Dr. Rainer E. Lotz. Zwar gab es in Ellingtons Musik auch Raum für die Improvisation einzelner Solisten; für die Form seiner geistlichen Werke griff Ellington stark auf Vorbilder aus der europäischen Klassik zurück.

Zu einer ganz anderen, eigenen Form fanden die Jazzmusiker zu Beginn der 60er Jahre, als die spirituellen Wurzeln ihrer Musik eine Art Wiedererweckung erfuhren.

Wolf Kampmann: „Wenn ich ‚Jazz‘ im Zusammenhang mit ‚spiritueller Musik‘ höre, dann fällt mir sofort John Coltrane ein und sein ganzes Umfeld; Musiker, für die es überhaupt gar nicht wichtig war, aus welcher unmittelbaren Tradition sie kommen, sondern für die es viel wichtiger war, an welchem Geist sie teilhaben und das versucht haben in Musik umzusetzen – natürlich auf Grundlage auf der Tradition, aus der sie kamen, denn der verdanken sie ja ihr ganzes Handwerk. Aber diese Tradition löste sich praktisch in der Spiritualität, im Geistlichen, auf.“

John William Coltrane wurde 1926 in North Carolina geboren. Sein Großvater war ein bekannter Prediger. In der Kirche wie auch zu Hause in der Familie kam der junge John mit kirchlicher Musik in Kontakt.

Coltrane wurde Jazzmusiker und folgte seinen Vorbildern wie Charlie Parker in die Heroinsucht. 1957 unterzog er sich einem kalten Entzug, ließ sich von seiner Mutter und seiner Frau in ein Zimmer einsperren und wies sie an, ihm nur Brot und Wasser zu geben. Später erklärte er, während des Entzugs Gott erlebt zu haben. Diese Erfahrung gab seinem Leben und seiner Musik einen anderen Sinn.

Neben Coltrane gab es noch eine ganze Reihe weiterer Musiker, deren Musik in dieser Zeit an Spiritualität gewann – zum Beispiel Charles Mingus oder Albert Ayler. Beide erlebten in ihrer Kindheit Gottesdienste in den Gemeinden ihrer Eltern.

1964 veröffentlichte John Coltrane sein Album „A Love Supreme“, das zu einem Meilenstein in der Geschichte der Musik wurde. Coltrane selbst beschrieb das Werk im Klappentext der LP-Hülle als „einen Versuch, Gott durch unsere Arbeit zu danken“.

Die Gründe für dieses „Wiederwachen“ sieht Dr. Rainer E. Lotz im gesellschaftlichen Umbruch der frühen 60er Jahre.

„Der Durchbruch ist gekommen mit dem Civil Rights Movement, wo der Stolz auf die schwarze Hautfarbe und eine schwarze Identität eine große Rolle spielten. Und dann haben die Musiker etwas gemacht, was ihnen sozusagen keiner wegnehmen konnte – das ‚New Thing‘, dass dann später als ‚Free Jazz‘ bekannt wurde, also eine völlig eigene Musik, die sie mit sich identifiziert haben und die für sie Identifikation war. Und das war dann auch nicht auf irgendeine Religion festgelegt, sondern das waren dann Esoteriker und Mystiker wie der Albert Ayler oder der John Coltrane, die dann aus dem Katholizismus kamen oder aus dem Islam.“

Von Coltrane inspiriert begaben sich nun auch europäische Jazzmusiker auf die Suche nach ihrer eigenen Spiritualität und versuchten, diese in Musik auszudrücken. Coltrane selbst wandte sich vor seinem frühen Tod 1967 immer stärker dem freien Spiel zu.

Während ihrer intuitiven Improvisationen dringen die Jazzmusiker häufig in Räume vor, die ihnen selbst zuvor nicht bekannt sind. Der Saxophonist Sonny Rollins beschreibt dieses transzendente Moment folgendermaßen:

„Manchmal, wenn ich mitten in einem wirklich guten Konzert bin, schaltet mein Geist ganz von selbst auf Autopilot um, und ich erlebe, dass ich einfach dort stehe, während der Geist des Jazz quasi meinen Körper erfüllt. Ein tiefes spirituelles Erlebnis!“

Markus Stockhausen: „Wenn man in einem Zustand höchster Konzentration ist, dann ist das Denken oder die Person ausgeschaltet, dann gibt es nur das, was man gerade macht. Und da kann man schon davon reden, dass sich das Ego dann quasi auflöst, weil … man ist in dem Moment ganz das, was geschieht.“

Hub Hildenbrand: „Die Intuition ist meist viel, viel intelligenter, die formt oft, oft Musik, wo ich dann im Nachhinein denke: Woher kommt das? (lacht) Wie ist das gerade entstanden? Das sind meist die stärksten … die stärksten Momente in der Musik … die wirklich einfach kommen -ohne, dass ich das jetzt ‚will‘. Das ist ein Gefühl von, dass ich mich selber auflöse, mein Bewusstsein nicht mehr da ist, ich merke nicht mehr das, was um mich rum passiert eigentlich.

Markus Stockhausen: „Das ist auch interessant, dass oft bei solchen Konzerten, wo man sich ganz frei ausdrücken kann und wo man diesen Punkt erreicht, dass etwas wirklich Kreatives entsteht, man sich nachher sehr erfrischt fühlt und erneuert. Oft anders auch als in der komponierten Musik.“

Was der Trompeter Markus Stockhausen und der Gitarrist Hub Hildenbrand hier berichten, deckt sich mit der Aussage des Amerikaners afrikanischer Herkunft Sonny Rollins. Ihr sozialer und religiöser Hintergrund ist allerdings ein völlig anderer. Bezeichnet sich der 50-jährige Stockhausen als „gläubigen Menschen“, so hat der 37-jährige Hildenbrand so gut wie keine religiöse Sozialisation erfahren.

Hub Hildenbrand „Also, ich kann nicht sagen: Das ist spirituelle Musik, weil’s Jazz ist. Manche Musik empfinde ich als unheimlich spirituell, aber erlebe Musiker, die das gar nicht finden.“

In seiner über 100-jährigen Geschichte hat der Jazz stärkere Wandlungen erfahren als die meisten anderen Musikstile. So hat sich auch der Ausdruck der Spiritualität verändert. Die schwarze Volksfrömmigkeit, die in den Spirituals Ausdruck fand, wurde in den 60er Jahren in eine oft kosmische Spiritualität transformiert. Für eine junge Generation von Jazzmusikern spielen diese Wurzeln häufig keine Rolle mehr. Dennoch machen viele von ihnen wie auch das Publikum während ihrer Improvisation quasi spirituelle Erfahrungen.

Ob der Jazz in seinen verschiedenen Spielarten ein erneutes spirituelles Erwachen erleben wird, bleibt abzuwarten. Letztlich gilt aber für viele Musiker noch immer der Satz, nach dem Albert Ayler 1969 sein letztes Alben benannte: „Music Is The Healing Force Of The Universe“ – Musik ist die heilende Kraft des Universums. Markus Stockhausen kann sich dem ohne Probleme anschließen:

„Höre ich sehr gerne, diesen Satz und kann ich gerne unterschreiben. Ist vielleicht nicht die einzige ‚healing force‘, denn es gibt auch noch andere, aber es ist hier auf der Erde und vielleicht im ganzen Universum, das weiß ich nicht, eine der stärksten Formen. Ganz bestimmt.“

Hannah Ahrendt

Hannah Arendt und die Pflicht zum Ungehorsam | Film 2016 | Moviepilot.de

Hannah Arendt (geboren am 14. Oktober 1906 als Johanna Arendt in Linden, heutiger Stadtteil von Hannover; gestorben am 4. Dezember 1975 in New York City) war eine jüdische deutschUS-amerikanische politische Theoretikerin und Publizistin.

Die Entrechtung und Verfolgung von Juden in der Zeit des Nationalsozialismus sowie ihre eigene kurzzeitige Inhaftierung durch die Gestapo im Juli 1933 bewogen sie zur Emigration aus Deutschland. Sie emigrierte über Karlsbad und Genf nach Paris, wo sie als Sozialarbeiterin bei jüdischen Einrichtungen wirkte. Nachdem sie vom nationalsozialistischen Regime 1937 ausgebürgert worden war, war sie staatenlos, bis sie 1951 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Seitdem verstand sie sich als US-Amerikanerin und bekannte sich zur US-amerikanischen Verfassung. Arendt war unter anderem als Journalistin sowie Hochschullehrerin tätig und veröffentlichte wichtige Beiträge zur politischen Philosophie. Gleichwohl lehnte sie es ab, als „Philosophin“ bezeichnet zu werden. Auch dem Begriff „Politische Philosophie“ stand sie eher distanziert gegenüber; sie zog die Bezeichnung „Politische Theorie“ für ihre entsprechenden Publikationen vor[1] und legte Wert darauf, dass sie als Historikerin arbeite. Sie verachtete die deutschen Intellektuellen, die sich ab 1933 Adolf Hitler zuwandten.

Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft (1955 auf Deutsch erschienen) ist das umfangreichste Buch der politischen Theoretikerin Hannah Arendt und wird vielfach als ihr Hauptwerk bezeichnet. Arendt untersucht darin die historische Entstehung und die gemeinsamen politischen Merkmale des Nationalsozialismus und des Stalinismus. Der Titel ist eines der frühesten Standardwerke der Totalitarismusforschung.

Zu Fragen der Ethik

Arendt postuliert, dass die Menschen von Natur aus weder gut noch böse sind. Allein das Individuum trägt ihrer Auffassung nach die Verantwortung für seine Taten. Daher müssen Verbrechen, aber auch politische „Lügen“ geahndet werden. In Staaten mit einer Verfassung, die das politische Leben regelt, sei es für den Einzelnen leichter, sich nach „moralischen Maßstäben“ zu verhalten, als in „finsteren Zeiten“. Umso schwerwiegender sei das Denken, Urteilen und Handeln gerade in nicht demokratischen Herrschaftsformen.

Menschen, die sich politisch interaktiv auf der Grundlage persönlicher Wahrhaftigkeit bewähren, handeln nicht unbedingt moralisch in Bezug auf den privaten Bereich. Sie lehnt den Rückgriff auf Transzendenz oder Gewissen zur Begründung von Moral ab, da sie davon überzeugt ist, dass auf diesen Wegen erzeugte Werte manipulierbar sind. Für sie ist die totale Herrschaft ein System, in dem der bisherige Moralkodex umgedeutet wird.

„Denn so wie Hitlers ‚Endlösung‘ in Wirklichkeit bedeutete, dass die Elite der Nazipartei auf das Gebot ‚Du sollst töten‘ verpflichtet wurde, so erklärte Stalins Verlautbarung das ‚Du sollst falsches Zeugnis reden‘ zur Verhaltensregel für alle Mitglieder der bolschewistischen Partei.“[97]

Diejenigen, die im Nationalsozialismus nicht kollaborierten, stellten sich die Frage, inwiefern sie mit sich selbst in Frieden leben könnten, wenn sie bestimmte Taten begangen hätten. Dabei verlief die Trennungslinie quer zu allen sozialen, kulturellen und bildungsmäßigen Unterschieden. Festzustellen war der totale Zusammenbruch der „ehrenwerten Gesellschaft“.[98]

Sie zitiert Kants Kategorischen Imperativ und stellt den Egoismus den Anforderungen des Gemeinwesens gegenüber. Dabei entwickelt sie die Vorstellung einer gemeinschaftlichen Ethik, die immer wieder neu ausgehandelt werden muss. Den Philosophen lastet Arendt an, sie hätten sich zu wenig mit der Pluralität der Menschen auseinandergesetzt. Darüber hinaus gebe es eine Art von Feindseligkeit der meisten Philosophen gegen alle Politik. Im Gegensatz zu anderen Denkern sieht Arendt auch nach der Zeit des Totalitarismus eine Hoffnung für die Welt durch jeden Menschen, der geboren wird und einen Neuanfang machen kann.

Die Schlechtigkeit, d. h. das Böse betrachtet sie als ein Phänomen mangelnder Urteilskraft. Der Mensch ist – auch im Verbrechen – immer auf andere bezogen, entwickelt einen Willen, der mit dem Willen anderer konfrontiert wird, und muss seine Taten reflektieren, sonst wird er zum Getriebenen.

In ihrer postum veröffentlichten, 1965 gehaltenen Vorlesung Über das Böse beschäftigt sich Arendt mit einer facettenreichen Definition des Bösen, die das Besondere des Nationalsozialismus mit seinen Vernichtungslagern wie auch das „universal Böse“ (Kant) umfasst.

April 15th, 2021 by Afrigal