Projekt Idee#257 udo
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Projekt Idee#257 udo
12.06.2026- Ich habe mich heute entschlossen alle meine Ideen in Zukunft zu veröffentlisch. Ich selbst werde wohl die Zeit nicht mehr haben sie alle zu verwirklichen.Wenn mich jemand als Ideengeber erwähnt, würde mich das sehr freuen.
Diana Deutsch – Musical Illusions
Eine verständliche Einführung in die zentralen Ideen aus dem Buch von Diana Deutsch, mit Fokus auf das wirklich Spannende: wie unser Gehirn Klang in „Bedeutung“ verwandelt.
Kernidee des Buches
Deutsch zeigt, dass Hören kein passiver Vorgang ist, sondern ein aktiver,Konstruktionsprozess.
Das Gehirn „erfindet“ teilweise das, was wir zu hören glauben – besonders an der Schnittstelle von Musik und Sprache.
- Phantom Words (Phantom-Wörter)
Phänomen:
Man hört eine sinnlose Silbenfolge (z. B. „la ta ka…“ in Schleife)
Nach kurzer Zeit „hört“ man plötzlich echte Wörter oder Sätze
Warum passiert das?
Das Gehirn sucht ständig nach Mustern (Pattern Recognition)
Sprache ist tief im Gehirn verankert, sie erzwingt Bedeutung . Das ist fast zum verrückt werden.
Besonders faszinierend:
Unterschiedliche Menschen hören unterschiedliche Wörter. Meine Erwartung, Sprache und sogar Muttersprache beeinflussen das Ergebnis
Interpretation:
Bedeutung entsteht nicht im Signal – sondern im Kopf.
- Musikalische Illusionen
Deutsch beschreibt mehrere berühmte Klangillusionen:
Shepard-Ton (endlos steigender Ton)
Klingt wie eine Tonleiter, die ewig nach oben geht. èPhysikalisch unmöglich è rein psychoakustischer Effekt
Tritonus-Paradox
Zwei identische Tonfolgen werden von verschiedenen Menschen als aufwärts oder abwärts wahrgenommen
Wahrnehmung hängt z. B. von:
Sprachhintergrund, regionaler Prägung ab
Konsequenz:
Tonhöhe ist keine objektive Realität – sondern eine Interpretation.
- Grenze zwischen Sprache und Musik
Ein besonders bekanntes Experiment:
Speech-to-Song Illusion
Ein gesprochener Satz wird wiederholt. Plötzlich klingt er wie Gesang
Warum?
Wiederholung verschiebt die Verarbeitung:
von Sprachzentrum musikalische Verarbeitung
Rhythmus & Tonhöhe treten in den Vordergrund
Das zeigt:
Sprache und Musik nutzen überlappende neuronale Systeme. Die Grenze ist nicht klar getrennt
- Einfluss von Kultur und Erfahrung
Deutsch zeigt, dass Wahrnehmung stark geprägt ist durch:
Muttersprache, musikalische Erfahrung, kulturelle Umgebung
Beispiel:
Menschen aus verschiedenen Regionen hören beim Tritonus-Paradox systematisch unterschiedliche Richtungen
Fazit:
Wahrnehmung ist individuell kalibriert – nicht universell.
- Was das über das Gehirn verrät
Das Buch ist im Kern ein Beitrag zur Kognitionswissenschaft und Psychoakustik.
Zentrale Einsichten:
Das Gehirn arbeitet hypothesengetrieben
Wahrnehmung = Kombination aus:
Sinnesdaten (Bottom-up), Erwartungen (Top-down)
Fehler (= Illusionen) sind kein Bug, sondern zeigen die Funktionsweise
Kompakte Quintessenz
Wir hören nicht die Welt, sondern eine Interpretation der Welt. Sprache und Musik sind enger verwandt, als es scheint. Illusionen sind Werkzeuge, um das Gehirn zu verstehen.
Notizen:
Ein bisschen tiefer gehen
Als nächsten Schritt:
konkrete Audio-Beispiele zum Selberhören (sehr empfehlenswert!), Analyse einzelner Illusionen auf Signalebene (Frequenzen, Spektren), Bezug zu Musikproduktion / Sounddesign (z. B. für elektronische Musik)
Gehen wir jetzt z.B. praktisch und technisch tiefer, mit Fokus auf Hören und Umsetzung (auch interessant für meine elektronische/experimentelle Arbeit).
Phantom Words selbst erleben
So testet man es
YouTube:
“Diana Deutsch Phantom Words”
Typischer Ablauf:
- Kopfhörer aufsetzen (wichtig!)
- 20–60 Sekunden zuhören
- Nicht aktiv „suchen“ – einfach laufen lassen
Nach kurzer Zeit:
Das Gehirn „snappt“ plötzlich auf Wörter, Danach kann man sie kaum nicht hören
„snappt“ kommt hier von englisch to snap into place — also:
plötzlich einrasten, umschalten, kippen, sich festsetzen.
Nach kurzer Zeit rastet die Wahrnehmung plötzlich auf bestimmte Wörter ein.
Technische Erklärung (Signalebene)
Input: kurze Silbenfragmente (z. B. CV-Strukturen)
CV = Konsonant + Vokal
ba = b + a
da = d + a
ku = k + u
mi = m + i
ta = t + a
Also:
Wiederholung -temporale Musterverstärkung
Gehirn macht:
Segmentation (Wo sind Wortgrenzen?)
Lexical Matching (passt das zu bekannten Wörtern?)
Abgleich mit dem Wortschatz.
Das ist im Grunde ein Pattern-Matching-Problem unter Unsicherheit
Das Gehirn bekommt unvollständige, mehrdeutige oder verrauschte Informationen und versucht trotzdem, daraus ein sinnvolles Muster zu erkennen.
Anwendung im Sounddesign
Ich nutze das gezielt:
Granular-Synthese mit Sprachsamples, kurze Loops (200–800 ms), leichte Variationen (Pitch ±20 Cent, Timing jitter)
Ergebnis:
Der Hörer konstruiert selbst „Bedeutung“ è extrem starkes künstlerisches Mittel
- Shepard-Ton selbst bauen
Hören
YouTube-Suche:
“Shepard Tone illusion rising forever”
DSP-Prinzip
Digital Signal Processing = digitale Signalverarbeitung.
Bei Phantom Words meint „DSP-Prinzip“: è Man betrachtet das Gehörte nicht zuerst als Sprache, sondern als Signal, das bestimmte Eigenschaften hat:
Wiederholung, Rhythmus, Frequenzen, Lautfragmente, Links/Rechts-Verteilung im Kopf-hörer.
Einfach gesagt
DSP-Prinzip:
Ein akustisches Signal wird digital erzeugt, wiederholt, bearbeitet, räumlich verteilt und dadurch so strukturiert, dass das Gehirn daraus Muster bildet.
Ein Shepard-Ton besteht aus:
mehreren Sinus-Oszillatoren, Frequenzen im Oktavabstand (z. B. 110, 220, 440, 880 Hz …), Amplitudenhüllkurve (Glockenkurve über Frequenz)
Während:
alle Frequenzen kontinuierlich steigen, oben ausblenden / unten neu einblenden
In Pseudocode
for each oscillator i:
f_i(t) = f0 * 2^(i + t)
amp_i = gaussian(log(f_i))
Praxis (DAW/Modular)
mehrere Oszillatoren (≥6), gleiche Phase oder randomisiert, langsame Pitch-Modulation
Bandpass + Fade oben/unten
Funktioniert super in:
-Ambient
-Noise
Und Psychoakustische Installationen
- Speech Song Illusion bauen
Selbst machen (sehr effektiv!)
- Nimm einen gesprochenen Satz auf
- Schneide ein Fragment (ca. 1–2 Sekunden)
- Loopen (ohne Pause!)
Nach ~10 Wiederholungen:
Es klingt plötzlich musikalisch
Warum?
Prosodie (Tonhöhenverlauf) wird isoliert, Semantik tritt in den Hintergrund
Rhythmus + Pitch werden dominant
Prosodie bedeutet: die musikalische Seite der Sprache.
Also nicht nur welche Wörter gesagt werden, sondern wie sie klingen:
Tonhöhe, Betonung, Rhythmus, Sprechmelodie, Pausen, Lautstärke, Tempo, Klangfarbe
Prosodie = Rhythmus, Betonung und Melodie der Sprache. Prosodie ist der Groove der Sprache.
Gerade für uns als Musiker: Prosodie ist dort, wo Sprache fast schon Percussion und Melodie wird.
Erweiterung
Autotune leicht einsetzen, Delay synchronisieren, Transienten verstärken
Man kann also Sprache „in Musik kippen lassen“!!!
- Fortgeschritten: Wahrnehmung gezielt manipulieren
Erwartung steuern
Vorher Text zeigen è beeinflusst, was gehört wird; Kontext = massive Modulation der Wahrnehmung
Ambiguität erhöhen
verrauschte Signale, Bandpass (Telefon-Sound) ,fragmentierte Samples
Ambiguität = Mehrdeutigkeit / Uneindeutigkeit
Bei Phantom Words bedeutet das:
Das akustische Material wird so gestaltet, dass es nicht eindeutig als ein bestimmtes Wort erkennbar ist.
Dadurch bekommt das Gehirn mehr Spielraum, eigene Wortmuster hineinzuhören.
Sweet Spot:
Sweet Spot bedeutet: der ideale Wirkungsbereich — also genau der Punkt, an dem etwas „am besten funktioniert“.
Bei Phantom Words heißt das:
Das Signal ist weder zu eindeutig noch zu chaotisch.
gerade genug Information è Gehirn muss „raten“
- Künstlerische Strategie (sehr relevant für mich)
Was Deutsch indirekt zeigt:
Die interessantesten Sounds sind nicht eindeutig
Man kann gezielt arbeiten mit:
„halb erkennbarer Sprache“ , schwebender Tonhöhe, instabiler Rhythmik
Das passt extrem gut zu:
Avantgarde, Free Jazz, experimenteller Elektronik
Meine Idee: ein Ableton/Max/MSP Patch-Konzept, SuperCollider-Code für Shepard/Phantom oder eine komplette Kompositionsidee basierend auf diesen Illusionen
Hier kein kompaktes, aber vollständiges Setup-Paket, das du direkt umsetzen kannst: Patch-Logik, Code, und eine konkrete Kompositionsstruktur. Hier technisch sauber und praxisnah.
- Ableton Live / DAW – modulare Kette
- A) Phantom-Loop Generator
Signalfluss:
Audio (Speech)
Simpler (Slice Mode)
Random MIDI Trigger
Beat Repeat (subtle)
Grain Delay (low feedback)
EQ (Bandpass 500–3000 Hz)
Parameter:
Slice length: 100–400 ms, Randomization: 20–40%, Grain size: 30–80 ms
Dry/Wet: max 25%
Ziel: semantische Instabilität erzeugen
- B) Shepard-Tone Rack
Aufbau:
6–8 Operator/Analog Instanzen, Frequenzen im Oktavabstand, Macro: „Rise“
Automation:
Pitch aller Oszillatoren langsam +12 semitones (looped)
gleichzeitig:
High Layer → Fade Out
Low Layer → Fade In
Ergebnis: endloser Aufstieg ohne Ziel
- C) Speech è Song Chain
Voice Loop
Warp (Complex Pro)
Chorus (leicht)
Delay (tempo synced)
Reverb (short room)
optional: Autotune (retune slow!)
Trick:
nicht perfekt stimmen è sonst verliert es den Effekt
- SuperCollider
Shepard-Tone
(
{
var n = 8;
var base = 55;
var t = LFSaw.kr(0.05).range(0, 1);
var sig = Mix.fill(n, { |i|
var f = base * (2 ** (i + t));
var amp = exp(-((log2(f/base) – 4).squared) / 2);
SinOsc.ar(f, 0, amp)
});
sig * 0.2 ! 2
}.play;
)
Wichtig:
exp(…) = Glockenkurve (Amplitude), t = kontinuierlicher Aufstieg
Phantom-Words Generator (rudimentär)
(
b = Buffer.read(s, „speech.wav“);
SynthDef(\phantom, {
var trig = Dust.kr(8);
var pos = TRand.kr(0, BufDur.kr(b), trig);
var sig = PlayBuf.ar(1, b, 1, trigger: trig, startPos: pos * BufSampleRate.kr(b));
sig = BPF.ar(sig, 1200, 0.5);
Out.ar(0, sig ! 2);
}).add;
)
Synth(\phantom);
erzeugt fragmentierte Sprachpartikel è Gehirn ergänzt
- Max/MSP – Patch-Logik
Shepard Core:
cycle~ × N
Frequenz = base * pow(2, phase)
Amplitude:
expr~ exp(-pow(($f1 – center),2))
Steuerung:
phasor~ è globaler Pitch-Zyklus, Mapping logarithmisch!
- Kompositions-Blueprint (
Struktur
- Emergence (0–5 min)
diffuse Sprachfragmente
kein klarer Rhythmus
Phantom Words entstehen langsam
- Lock-In (5–10 min)
Wiederholung verstärkt sich
erste „Wörter“ hörbar
Shepard-Ton subtil darunter
III. Disorientation (10–15 min)
maximale Ambiguität
mehrere konkurrierende Wahrnehmungen
Stereo-Tricks / Bewegung
- Collapse (15–20 min)
Struktur zerfällt
zurück zu Rauschen / Fragmenten
- Entscheidender künstlerischer Hebel
Das Ganze funktioniert nur, wenn ich:
nicht zu eindeutig werde,aber auch nicht zu chaotisch
Optimaler Bereich:
„gerade noch interpretierbar“
Das ist exakt der Punkt, an dem das Gehirn aktiv wird.
Zusatz:
Ich übe schon fast seit zwei Jahren, das Gehirn von innen sehen zu können. An manchen Tagen denke ich, dass ich kurz vor dem Ziel stehe.
Written by Afrigal
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