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  • Habt ihr es wirklich vergessen

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Written by Afrigal on 22/08/2026

Habt ihr es wirklich vergessen

Afrigal . Art Kunst allgemein . Ästhetik . Blues & Rock . elektronische Klangmusik . experimental . Free Improvisation . Free Jazz . Funk Soul . Fusion . Klanglandschaften . Musik & Spiritualität Article

udo matthias drums electronic software Afrigal Binzen Basel Freiburg im Breisgau

Habt ihr es denn wirklich vergessen

WeiterlesenHarald Kimmig

Joan Baez sang oft gegen den Vietnamkrieg an. Selten so pur und effektiv wie in Saigon Bride, einem Song, der die archetypische Geschichte des Soldaten erzählt, der seine Frau zurücklässt, um in den Krieg zu ziehen. Mit inhaltlichen Parallelen zu Blowin’ In The Wind schmiedet Baez einen Song um ein Gedicht, das ihr die Verfasserin Nina Duschek persönlich zugeschickt hatte. Es ist einer der eher raren Momente, in der Joan Baez selbst die Melodie zu fremden Worten schreibt – und allein deswegen ein besonderes Stück in ihrem Antikriegskanon.

Ingeborg Bachmann s.ganz unten

WeiterlesenFrank Zappa

Joan Baez (Music) - TV TropesSaigon Bride

Leb wohl, meine sehnsüchtige Braut aus Saigon

WeiterlesenModular Time

Ich gehe hinaus, um die Flut einzudämmen

Eine Flut, die nie das Meer sah

WeiterlesenPeter Giger

Sie fließt durch Dschungel, um die Bäume herum

Manche sagen, sie sei gelb, manche sagen rot

WeiterlesenVinnie Colaiuta

Es wird keine Rolle mehr spielen, wenn wir tot sind

Wie viele Tote braucht es,

WeiterlesenRobyn Schulkowsky

um einen Damm zu bauen, der nicht bricht?

Wie viele Kinder müssen wir töten,

WeiterlesenAnima Berliner Schule

bevor wir die Wellen zum Stillstand bringen?

 

WeiterlesenNoise Music Intro

Obwohl Wunder heute allgegenwärtig sind,

haben wir die Mittel zu bezahlen.

WeiterlesenThe Art of Noise#2

Es holt sie von der Straße, weißt du,

an Orte, wo sie niemals allein hingehen würden.

WeiterlesenElliot Sharp

Es gibt ihnen einen nützlichen Beruf.

Die Glücklichen werden sogar bezahlt.

Weiterlesenopen Soloing

Männer sterben, um die Gräber ihrer Pharaonen zu bauen

Und immer noch, immer noch die wimmelnden Gebärmütter

WeiterlesenSven Ake Johansson

Wie viele Männer braucht es, um den Mars zu erobern?

Wie viele Tote, um die Sterne zu erreichen?

WeiterlesenSuzanne Ciani

 

Leb wohl, meine sehnsüchtige Braut aus Saigon

WeiterlesenPierre Henry

Ich gehe hinaus, um die Flut einzudämmen

Manche sagen, sie sei gelb, manche sagen rot

WeiterlesenAlan Dawson

Es wird keine Rolle mehr spielen, wenn wir tot sind

(Joan Baez)

Habt ihr es wirklich vergessen?
Habt ihr es wirklich vergessen –
die Stimme von Joan Baez,
klar wie ein Gewissen
über einem Feld voller Menschen?
Jimi,
der die amerikanische Hymne zerriss,
bis zwischen seinen Saiten
Bomben heulten,
Sirenen schrien
und jeder hören konnte,
was hinter den schönen Worten geschah.
Habt ihr wirklich Woodstock vergessen –
nicht das schlammige Bild,
nicht die Blumen im Haar,
sondern den verzweifelten Traum,
dass Liebe stärker sein könnte
als Gewehre,
Gehorsam und Angst?
Habt ihr vergessen,
dass Jazz einmal gefährlich war?
Dass ein Schlag auf die Trommel
eine Grenze überschritt,
ein freier Ton
eine Ordnung infrage stellte
und das Art Ensemble of Chicago
nicht nur Musik spielte,
sondern eine andere Welt
auf die Bühne stellte?
„Great Black Music –
Ancient to the Future.“
Vergangenheit und Zukunft
in einem einzigen Atemzug.
Damals, zu meiner Zeit, war Musik kein Hintergrund
für das nächste Bild,
den nächsten Klick,
das nächste kleine Herz
auf einem leuchtenden Bildschirm.
Sie war eine Frage.
Eine Anklage.
Ein Nein.
Nein zum sinnlosen Töten.
Nein zur Lüge.
Nein zu denen,
die junge Menschen in Kriege schicken
und selbst an langen Tischen sitzen.
Und heute?
Wir wischen über Bilder von Ruinen,
zwischen Werbung, Katzen und Frühstück.
Wir sehen ein brennendes Haus
und gleich danach ein lachendes Gesicht.
Ist das Vergessen?
Oder sind wir nur müde geworden,
weil uns täglich tausend Bilder treffen
und keines mehr lange genug bleibt,
um in uns eine Wunde zu öffnen?
Doch irgendwo
nimmt noch immer jemand
ein Saxophon in die Hand,
schlägt eine Trommel,
dreht einen Verstärker auf
und weigert sich,
die Welt hinzunehmen, wie sie ist.
Vielleicht sind es nur wenige.
Vielleicht sitzen sie allein
in ihren Zimmern,
zwischen alten Platten, Kabeln,
Erinnerungen und neuen Klängen.
Aber sie haben nicht vergessen.
Und solange ein Mensch noch fragt:
Warum Krieg?
Warum Gehorsam?
Warum dieses Schweigen?
Solange ein Ton sich weigert,
nur Unterhaltung zu sein,
ist Woodstock nicht vorbei.
Jimi nicht verstummt.
Joan nicht verhallt.
Der freie Jazz nicht besiegt.
Dann lebt unter all dem Lärm
noch immer dieser alte,
unvernünftige,
unverkäufliche Gedanke:
Eine andere Welt
muss möglich sein.
(Udo Matthias)
WeiterlesenKontakte Stockhausen

Der Leitspruch „Great Black Music – Ancient to the Future“ wurde vom Art Ensemble of Chicago geprägt und steht für ein umfassendes Verständnis afroamerikanischer Musik. Er macht deutlich, dass diese Tradition von afrikanischen Wurzeln bis zu den experimentellsten Formen der Gegenwart und Zukunft reicht.

Er bedeutet:

  1. Ancient – Rückbesinnung auf afrikanische Rhythmen, Rituale und kulturelles Erbe
  2. To the Future – Offenheit für Innovation, Improvisation und neue musikalische Ausdrucksformen.
  3. Great Black Music – Nicht nur Jazz, sondern auch Blues, Gospel, Soul, Funk und Avantgarde als zusammenhängende kulturelle Tradition.
WeiterlesenFrancois Bayle

Das Motto verkörpert die Philosophie des Art Ensemble of Chicago und der AACM: Musik ist zugleich Erinnerung, Identität, Freiheit und Experiment – eine lebendige Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Association for the Advancement of Creative Musicians (AACM).
Es umrahmt den musikalischen Ausdruck der Schwarzen als ein ununterbrochenes Kontinuum, das von tiefen Stammeswurzeln bis hin zu futuristischer freier Improvisation reicht.  
Kernbedeutung und Philosophie

Das Kontinuum: Der vom Bassisten Malachi Favours geprägte Satz besagt, dass traditionelle afrikanische Rituale, Blues, Swing und moderner Free Jazz Teil derselben historischen und spirituellen Linie sind

WeiterlesenDieter Görner

Zeitzusammenbruch: Es betrachtet alte Traditionen als moderne Werkzeuge und behandelt die avantgardistischen Experimente von heute als die klassische Musik der Zukunft.

Panafrikanismus: Die Ideologie lehnt starre kommerzielle Genregrenzen ab und setzt auf globale Instrumente, Theaterkostüme, Gesichtsbemalung und intensive Klangexperimente.  

Historischer Kontext
WeiterlesenGil Scott-Heron

Herkunft: Das Art Ensemble of Chicago ging aus der AACM in den späten 1960er Jahren mit Kernmitgliedern wie Lester Bowie, Roscoe Mitchell, Joseph Jarman, Famoudou Don Moye, und Malachi Favours.  

Globale Auswirkungen: Mit diesem Motto definierte das Kollektiv Jazz nicht nur als Unterhaltung neu, sondern als tiefgreifendes soziokulturelles und spirituelles Statement, das die afrikanische Diaspora mit globalen Avantgarde-Bewegungen verbindet.  

WeiterlesenGunter Hampel

Ingeborg Bachmann war keine politische Protestdichterin im direkten Sinn wie Joan Baez als Sängerin. Aber Krieg, Faschismus und die Gewalt, die nach 1945 in Sprache und Gesellschaft weiterlebte, gehören zu ihren wichtigsten Themen.

Besonders eindringlich ist ihr Gedicht „Alle Tage“ aus dem Band Die gestundete Zeit (1953). Darin sagt sie sinngemäß:

WeiterlesenJazz The new Wave

Der Krieg ist nicht wirklich vorbei – er wird nur nicht mehr erklärt. Er ist in den gewöhnlichen Alltag eingedrungen. Gerade dadurch wirkt das Gedicht heute wieder erschreckend aktuell.

Ingeborg Bachmann – Wien Geschichte Wiki

Alle Tage

WeiterlesenGILAD HEKSELMAN

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,
sondern fortgesetzt. Das Unerhörte
ist alltäglich geworden. Der Held
bleibt den Kämpfen fern. Der Schwache
ist in die Feuerzonen gerückt.
Die Uniform des Tages ist die Geduld,
die Auszeichnung der armselige Stern
der Hoffnung über dem Herzen.

Er wird verliehen,
wenn nichts mehr geschieht,
wenn das Trommelfeuer verstummt,
wenn der Feind unsichtbar geworden ist
und der Schatten ewiger Rüstung
den Himmel bedeckt.

WeiterlesenMomentform

Er wird verliehen
für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.

Weitere wichtige Texte sind:

  • „Die gestundete Zeit“ – eine Welt lebt nur noch auf Widerruf; unter der scheinbaren Ruhe liegt ständig die Möglichkeit der Katastrophe.
  • „Reklame“ – beruhigende Werbesprache läuft neben Gedanken an Tod, Angst und Vernichtung her. Die gesellschaftliche Ablenkung übertönt die existenzielle Wahrheit.
  • „Unter Mördern und Irren“ – eine Erzählung über ehemalige Nationalsozialisten und Mitläufer, die nach dem Krieg wieder gesellschaftlich zusammensitzen, als sei nichts geschehen.
  • „Malina“ – kein Kriegsroman im üblichen Sinn, aber ein Buch über psychische, gesellschaftliche und geschlechtliche Gewalt. Der berühmte Satz „Der Faschismus ist das erste in der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau“ zeigt, wie Bachmann Faschismus nicht nur als historische Staatsform verstand, sondern auch als alltägliches Prinzip der Unterdrückung.
  • Ihre Frankfurter Vorlesungen fragen danach, wie Literatur überhaupt noch sprechen kann, nachdem Sprache durch Faschismus und Propaganda beschädigt worden ist.

Die gestundete Zeit

WeiterlesenHarlem

Es kommen härtere Tage.
Die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.
Bald mußt du den Schuh schnüren
und die Hunde zurückjagen in die Marschhöfe.
Denn die Eingeweide der Fische
sind kalt geworden im Wind.
Ärmlich brennt das Licht der Lupinen.
Dein Blick spurt im Nebel:
die auf Widerruf gestundete Zeit
wird sichtbar am Horizont.

Drüben versinkt dir die Geliebte im Sand,
er steigt um ihr wehendes Haar,
er fällt ihr ins Wort,
er befiehlt ihr zu schweigen,
er findet sie sterblich
und willig dem Abschied
nach jeder Umarmung.

WeiterlesenAlf Terje Hana

Sieh dich nicht um.
Schnür deinen Schuh.
Jag die Hunde zurück.
Wirf die Fische ins Meer.
Lösch die Lupinen!

Es kommen härtere Tage.

WeiterlesenFrank Wiedemann

Bachmanns entscheidender Gedanke war wohl: Der Krieg endet nicht unbedingt mit dem Schweigen der Waffen.

Er kann in den Köpfen, Beziehungen, Institutionen und Wörtern weiterleben.

WeiterlesenOliver Friedli

Das verbindet sie durchaus mit meiner Frage: Haben wirklich alle vergessen, dass Kunst und Musik einmal Widerstand gegen das Töten waren? Bachmann hätte vermutlich ergänzt: Wir müssen auch darauf achten, ob das Töten bereits in unserer Sprache, unserem Schweigen und unserem gewöhnlichen Umgang miteinander beginnt.

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

WeiterlesenDafnis Prieto

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

WeiterlesenTacita Dean

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

WeiterlesenEmil Schult

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

WeiterlesenUZEB

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

WeiterlesenEmil Karlsen

Written by Afrigal

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Tags: „Great Black Music – Ancient to the Future.“, AACM, Antikriegskanon, Art Ensemble of Chicago, Erklär mir Liebe, Famoudou Don Moye, Habt ihr es wirklich vergessen, Ingeborg Bachmann, jimi, Joan Baez, Joseph Jarman, Katzen und Frühstück, Lester Bowie, Nein zum sinnlosen Töten, Nina Duschek, Rituale und kulturelles Erbe, Roscoe Mitchell, Rückbesinnung auf afrikanische Rhythmen, Saigon Bride, und Malachi Favours, Unter Mördern und Irren, Vietnamkrieg, Wir wischen über Bilder von Ruinen, Woodstock, zwischen Werbung
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