Pudi Lehmann
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Pudi Lehmann
ist ein Schweizer Multiinstrumentalist und Klangkünstler aus dem Raum Bern. Er kommt ursprünglich nicht ausschließlich von der Perkussion: In jungen Jahren spielte er Violine und Bratsche in der Klassik sowie Trompete und Flügelhorn im Jazz. Später verlagerte sich sein Schwerpunkt zunehmend auf experimentelle Perkussion, Klangfarben und improvisierte Musik.
Sein Instrumentarium umfasst unter anderem:
große europäische und asiatische Gongs, tibetische Klangschalen, Rahmentrommeln, die mächtige koreanische Buk-Trommel, Hang, Muschelhorn sowie zahlreiche kleine Klangobjekte.
Dabei arbeitet er weniger als konventioneller Rhythmus- oder Groove-Percussionist. Er erzeugt vielmehr Klangräume, lange Schwingungen, Obertöne und meditative Spannungsfelder. Ein Konzertbericht beschreibt die außerordentliche Vielfalt an Klängen und Tonhöhen, die er allein aus seinen Gongs, Schalen und Trommeln entwickelt.Bekannt ist Lehmann besonders durch die langjährige Zusammenarbeit mit dem Schweizer Violinisten Paul Giger. Auf Gigers ECM-Album ars moriendi von 2022 spielt Lehmann Gongs, Klangschalen, Rahmentrommel und Muschelhorn. Die Musik verbindet zeitgenössische Kammermusik, Improvisation, sakrale Atmosphäre und außereuropäische Klangtraditionen.
Früher gehörte er außerdem zur Berner Jazzrock-Gruppe Lost Peace. Dort spielte er zunächst Trompete und Violine. Die Band verband Jazz, Funk, Rock und ungewöhnliche Taktarten und war in den 1970er-Jahren Teil der experimentellen Schweizer Szene.
Lost Peace war eine experimentelle Berner Jazzrock-Band, aktiv ungefähr von 1970 bis 1977. Musikalisch bewegte sie sich zwischen Progressive Rock, Jazz, Funk und klassisch beeinflussten Großformen. Typisch waren lange Kompositionen, viele Rhythmuswechsel und ungewöhnliche Metren wie 7/8 oder 13/8.
Gegründet wurde Lost Peace 1970 von Claudio Bischoff. Anfangs spielte die Gruppe noch Rock- und Beatmaterial. Mit dem Pianisten und Komponisten Willy Müller wurde die Musik ab 1971 zunehmend komplexer und eigenständiger. 1972 und 1973 gewann Lost Peace jeweils das Schweizer Popfestival in Luzern.
1973 kamen Tinu Heiniger und Pudi Lehmann hinzu. Dadurch wurden Bläser, Violine und stärkere Jazz- und Funkeinflüsse integriert. Als Bezugspunkte werden unter anderem Weather Report, Miles Davis, Chicago und Billy Cobham genannt. Pudi Lehmann spielte damals vor allem Trompete und Violine – noch nicht primär Gong und Klangschalen.
Besetzung der LP von 1977
Willy Müller – Keyboards, Posaune, Komposition; Claudio Bischoff – Bass; Markus Küng – Gitarre; Marc Hellman – Schlagzeug und Perkussion; Tinu Heiniger – Saxofon und Klarinette; Pudi Lehmann – Trompete und Violine
Die einzige Langspielplatte Lost Peace erschien 1977 beim Berner Label Zytglogge, Katalognummer ZYT 212. Zuvor war 1974 die Single Suppressed/After a Big Steak erschienen. Die Band ist für interessant sein, weil sie ähnlich wie Peter Giger Rhythmus nicht nur als Begleitung verstand: wechselnde Taktarten, lange Entwicklungen und kollektiv erzeugte Klangflächen waren ein wesentlicher Teil der Komposition. Lost Peace liegt damit irgendwo zwischen frühem europäischen Jazzrock, Progressive Rock und freierer Ensemblearbeit.
Auch mit dem Schweizer Liedermacher Tinu Heiniger arbeitete Lehmann über viele Jahre. Dort setzte er neben Hang und Klanginstrumenten weiterhin Bratsche, Posaune und weitere Melodieinstrumente ein.
Tinu Heiniger (Bild rechts) ist ein Schweizer Liedermacher, Mundartsänger, Erzähler und Multiinstrumentalist aus dem Kanton Bern. Geboren wurde er 1946; 2026 feierte er seinen 80. Geburtstag. Seine Texte schreibt und singt er überwiegend in Berndeutsch. In den frühen 1970er-Jahren gehörte Heiniger zur Berner Jazzrock-Gruppe Lost Peace. Dort trat er nicht primär als Sänger mit akustischer Gitarre auf, sondern spielte unter anderem Saxofon und Klarinette. Die komplexe Verbindung von Jazz, Rock, Funk und ungeraden Metren bildete einen wichtigen Teil seiner musikalischen Herkunft.Später entwickelte er sich zu einem eigenständigen Schweizer Liedermacher. Seit den 1970er-Jahren veröffentlichte er zahlreiche Alben, zunächst beim Berner Label Zytglogge, später auch bei EMI. Seine Musik verbindet Mundart-Chanson, Folk, Blues, Rock, Jazz und erzählerisches Kabarett.
Heiniger ist ein ungewöhnlich vielseitiger Musiker. Er spielt beziehungsweise spielte:Gesang und Gitarre,Mundharmonika, Saxofon und Klarinette, weitere Blas- und Klanginstrumente. Auf späteren Produktionen arbeitete er häufig mit Pudi Lehmann zusammen. Dadurch kamen Bratsche, Hang, Gongs, Klangschalen und andere ungewöhnliche Klangfarben zu seinen Liedern.
Heinigers Lieder sind oft autobiografisch und gesellschaftskritisch. Er erzählt von Kindheit, Heimat, Liebe, Alter, Politik und den Widersprüchen des Schweizer Alltags. Dabei kann er zugleich poetisch, humorvoll, direkt und ausgesprochen derb sein. Sein starkes Berndeutsch ist nicht nur Dialekt, sondern ein wesentliches musikalisches Ausdrucksmittel. SRF bezeichnet ihn als Schweizer Liedermacher, Mundartsänger und Poeten. Ein bekanntes späteres Album ist Bärg u Talsänger von 2008, das teilweise groß und orchestral arrangiert wurde. Seine Diskografie reicht jedoch von intimen Liedermacher-Aufnahmen bis zu Produktionen mit kompletter Band. Die Verbindung zu Lost Peace zeigt, dass Tinu Heiniger ursprünglich aus einer deutlich experimentelleren und jazzorientierteren Ecke kam, als man bei seinen späteren Mundartliedern zunächst vermuten würde.
Für mein Gong- und Exciter-Projekt ist Pudi Lehmann besonders interessant: Bei ihm ist der Gong nicht bloß Effekt oder Akzent, sondern ein eigenständiger akustischer Raum. Seine Musik entsteht aus Anschlag, Nachklang, Stille, Resonanz und dem Wechsel zwischen sehr feinen und mächtigen Schwingungen. Das liegt meinem Gedanken von Klangflächen und sich selbst entwickelnden Resonanzen vermutlich sehr nahe.
Written by Afrigal
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