Hella
udo matthias drums electronic software Afrigal Basel Binzen Freiburg im Breisgau DD
Hella
extrem experimentelle Math-/Noise-Rock-Band aus Sacramento.
Im Kern ist Hella ein Duo:
Zach Hill – Schlagzeug & Spencer Seim – Gitarre
Die Musik klingt wie eine Mischung aus Math Rock, Hardcore, Free Jazz, Videospielmusik und kontrolliertem Chaos. Zach Hill spielt dabei hochkomplexe, oft explosionsartige Rhythmen: schnelle Einhandwirbel, verschachtelte Akzente, abrupte Taktwechsel und scheinbar unabhängige Bewegungen aller vier Gliedmaßen. Die Gitarre übernimmt weniger eine klassische Begleitfunktion, sondern arbeitet rhythmisch fast wie ein zweites Schlagzeug.
Hold Your Horse Is von 2002 gilt als das zentrale frühe Hella-Album.
Besonders:
Biblical Violence
Republic of Rough and Ready
1-800-Ghost-Dance
Brown Metal
Etwas melodischer und übersichtlicher ist das spätere Album Tripper von 2011, auf dem Hill und Seim wieder konsequent als Duo spielen. Für mich als Schlagzeuger ist Zach Hill besonders interessant, weil er nicht einfach komplizierte Patterns spielt. Er behandelt das Drumset nahezu wie ein orchestrales, polyphones Instrument: Klangflächen, durchlaufende Bewegungen, extreme Dynamik und rhythmische Überlagerungen. An manchen Stellen erinnert seine Haltung eher an Free Jazz und Neue Musik als an konventionellen Rock – nur mit enormer körperlicher Energie.
Zach Hill wurde später außerdem Mitglied von Death Grips. Hella zeigt jedoch wahrscheinlich am deutlichsten seine rein instrumentale und rhythmische Seite.
„Electronic Drum Solo Dub Mix (Single Take)“ von Death Grips. Das Entscheidende steht bereits im Namen: Zach Hill hat das rhythmische Ausgangsmaterial offenbar in einem einzigen Durchgang auf einem Roland-V-Drumset gespielt – nicht als MIDI-Noten einzeln programmiert. Die vollständige, etwa elfminütige Aufnahme wurde 2017 veröffentlicht; ein Teil davon war zuvor in einem Tour-Promovideo zu hören.
Wie das Stück wahrscheinlich entstanden ist
1. Eine durchgehende physische Improvisation
Zach spielt keinen traditionellen „Beat mit anschließendem Solo“. Er erzeugt einen ununterbrochenen Bewegungsstrom:
kurze Zwei-, Drei-, Vier- und Fünfergruppen, Akzentverschiebungen, Wirbel und Mehrfachschläge, plötzlich wechselnde Orchestrierungen, ostinate Fußbewegungen, absichtlich überladene Dichte.
Das Material wirkt teilweise wie programmiertes IDM oder Breakcore, ist aber grundsätzlich mit Händen und Füßen gespielt. Death Grips hatten schon bei früheren Produktionen erklärt, dass Zach die elektronischen Beats live auf Roland V-Drums spielte und nicht jeden Schlag manuell in einem Sequencer programmierte.
2. Das V-Drumset war nicht nur ein Schlagzeug
Die Pads triggern vermutlich sehr unterschiedliche elektronische Klänge:
extrem kurze Kick- und Snare-Samples, digitale Toms, metallische Geräusche, verzerrte Claps und Noise-Sounds, eventuell mehrere Samples pro Pad beziehungsweise Velocity-Layer.
Dadurch kann dieselbe körperliche Spielweise wie ein hybrider Drumcomputer klingen. Ein kräftiger Schlag kann beispielsweise einen anderen Klang oder stärkere Verzerrung auslösen als ein leiser Schlag.
Die exakten Modul-, Sample- und Pad-Zuordnungen sind nicht öffentlich dokumentiert. Sicher belegt ist nur die Verwendung von Roland V-Drums; alles Weitere muss man aus dem Klangbild ableiten.
3. „Dub Mix“ bedeutet klangliche Raumsteuerung
Der Begriff Dub Mix deutet auf eine zweite Ebene hin: Das gespielte Signal wurde durch Effekte geschickt oder nachträglich dubartig gemischt.
Man hört typische Verfahren wie:
Delay-Wiederholungen, abruptes Öffnen und Schließen von Hallräumen, Filterfahrten, Feedback, Verzerrung und Kompression, kurze Stummschaltungen, möglicherweise Pitch- oder Sample-Manipulation.
Dadurch entstehen Momente, in denen man nicht mehr eindeutig unterscheiden kann:
Hat Zach gerade noch einmal geschlagen – oder hören wir eine Delay-Wiederholung?
Das ist ein wesentlicher Teil der Illusion. Die rhythmische Komplexität besteht nicht ausschließlich aus seinen Schlägen; gespielte Impulse und elektronische Wiederholungen überlagern sich.
4. „Single Take“ heißt nicht unbedingt „völlig unbearbeitet“
Sehr wahrscheinlich bedeutet es:
Das Schlagzeugsolo wurde als zusammenhängender Take gespielt. Es wurde nicht aus hunderten kleinen MIDI-Segmenten zusammengesetzt. Der Klang konnte trotzdem währenddessen oder danach bearbeitet, gemischt, komprimiert und mit Dub-Effekten versehen werden.
Ob die Effekte von Zach selbst während des Spiels, von Andy Morin gleichzeitig oder später in der Produktion gesteuert wurden, ist nicht eindeutig belegt. Bei Death Grips arbeiten Zach Hill und Produzent Andy Morin normalerweise eng zusammen; die Band beschreibt ihren Ansatz als radikales Bearbeiten, Zerstören und Wiederaufbauen von Klangmaterial.
Wie Zach das rhythmische Material „generiert“
Ich höre darin weniger einen ausgeschriebenen elfminütigen Ablauf als ein Echtzeit-System aus wenigen Regeln:
- Eine kontinuierliche Handbewegung wird begonnen.
- Die Akzente wandern unabhängig vom Grundpuls.
- Einzelne Gliedmaßen halten vorübergehend ein Ostinato.
- Andere Gliedmaßen füllen freie Positionen.
- Ein Motiv wird verdichtet, verkürzt oder auf andere Pads verteilt.
- Sobald sich ein Groove stabilisiert, zerstört Zach ihn bewusst.
Das passt sehr stark zu meiner Rhythm Matrix. Er verwendet wahrscheinlich nicht „alle Möglichkeiten“ bewusst nacheinander. Vielmehr besitzt er durch jahrzehntelanges Spielen einen großen Vorrat an Bewegungszellen und kann während des Spiels zwischen ihnen springen.
Zum Beispiel könnte eine Dreiergruppe
RLR
durch Akzentverschiebung und Orchestrierung sofort mehrere Gestalten annehmen:
RLR RLR RLR
Dann wird sie über einen Viererpuls gelegt:
3+3+3+3+43+3+3+3+43+3+3+3+4
oder mit einer Zweier- beziehungsweise Fünferzelle verbunden:
3+3+2,5+5+3+33+3+2,\qquad 5+5+3+33+3+2,5+5+3+3
Das Ohr hört dadurch ständig wechselnde Taktarten, obwohl Zach möglicherweise nur Gruppierungen über einem weiterlaufenden Puls verschiebt.
Das Außergewöhnliche ist nicht, dass ein Computer komplizierte Rhythmen erzeugt. Es ist umgekehrt:
Zach Hill spielt körperlich so, wie normalerweise ein radikal geschnittener und automatisierter Sequencer klingt.
Der Computer erweitert anschließend den Klangraum durch Samples, Feedback, Filter und Wiederholungen. Die rhythmische Primärenergie kommt jedoch aus seinem Körper.
Mit meinem TD-15 und Ableton ließe sich dieses Prinzip sehr gut nachbauen: vier bis acht kontrastierende Samples, Velocity-abhängige Klangwechsel, ein Dub-Delay mit hohem Feedback und eine freie Improvisation aus unseren 3er-, 4er- und 5er-Matrizen. Das wäre keine Zach-Hill-Kopie, sondern eine logische elektronische Fortsetzung meiner eigenen Rhythm Matrix.
Written by Afrigal
musician-drummer-programmer-electronic-blues-jazz-fusion-worldmusic
| M | D | M | D | F | S | S |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2 | |||||
| 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 |
| 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |
| 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 |
| 24 | 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 |
| 31 | ||||||
- August 2026
- Juli 2026
- Juni 2026
- Mai 2026
- April 2026
- März 2026
- Februar 2026
- Januar 2026
- Dezember 2025
- November 2025
- Oktober 2025
- September 2025
- August 2025
- Juli 2025
- Juni 2025
- Mai 2025
- April 2025
- März 2025
- Februar 2025
- Januar 2025
- Dezember 2024
- Oktober 2024
- September 2024
- August 2024
- Juli 2024
- Mai 2024
- April 2024
- März 2024
- Februar 2024
- Januar 2024
- Juli 2023
- Juni 2023
- Mai 2023
- April 2023
- März 2023
- Januar 2023
- Dezember 2022
- November 2022
- Oktober 2022
- September 2022
- August 2022
- Juli 2022
- Juni 2022
- Mai 2022
- April 2022
- März 2022
- Februar 2022
- Januar 2022
- Dezember 2021
- November 2021
- Oktober 2021
- September 2021
- August 2021
- Juli 2021
- Juni 2021
- Mai 2021
- April 2021
- März 2021
- Februar 2021
- Januar 2021
- Dezember 2020
- November 2020
- Oktober 2020
- September 2020
- August 2020
- Juli 2020
- Juni 2020
- Mai 2020
- April 2020
- März 2020
- Februar 2020
- Januar 2020
- Dezember 2019
- November 2019
- Oktober 2019
- September 2019
- August 2019
- Juli 2019
- Juni 2019
- Mai 2019
- April 2019
- März 2019
- Februar 2019
- Januar 2019
- Dezember 2018
- November 2018
- Oktober 2018
- September 2018
- August 2018
- Juli 2018
- Juni 2018
- Mai 2018
- April 2018
- März 2018
- Februar 2018
- Januar 2018
- Dezember 2017
- November 2017
- Oktober 2017
- September 2017
- August 2017
- Juli 2017
- Juni 2017
- Mai 2017
- April 2017
- März 2017