Die Theorie des NICHTS
udo matthias drums electronic software Afrigal Binzen Basel Freiburg im Breisgau Brand X
„Theorie von Nichts“ kann Verschiedenes meinen:
philosophisch: Was ist das Nichts? Bei Heidegger etwa: „Das Nichts selbst nichtet.“ Auch Sartre, Zen und der Buddhismus behandeln Leere – wobei buddhistische Śūnyatā nicht einfach „absolute Nichtexistenz“ bedeutet.
physikalisch: Ist das Vakuum wirklich nichts? In der Quantenphysik ist es kein vollkommen leerer Raum, sondern ein Zustand mit Feldern und möglichen Fluktuationen.
kosmologisch: Wie könnte ein Universum „aus dem Nichts“ entstehen? Dabei ist das verwendete „Nichts“ meist schon durch Naturgesetze oder quantenphysikalische Strukturen bestimmt – also philosophisch gesehen nicht wirklich nichts.
als konkretes Buch beziehungsweise Theorie: kann man auch Russell Standishs Theory of Nothing bemühen? Er vertritt, stark vereinfacht, die Idee, dass alle mathematisch beschreibbaren Welten gleichermaßen existieren und unsere beobachtete Welt durch die Perspektive des Beobachters ausgewählt erscheint.
Welches „Nichts“ meine ich nun – ein bestimmtes Buch, Physik, Philosophie oder vielleicht das Nichts in Zen und Kunst?

Die bewährte Besetzung von 1977
Inhaltlich dokumentiert die Veröffentlichung jene Formation, die Brand X während ihrer erfolgreichen US-Tournee im Jahr 1977 aufs Podium brachte: Neben John Goodsall an der Gitarre und Percy Jones am Bass gehörten Robin Lumley an den Keyboards, Perkussionist Morris Pert sowie Kenwood Dennard am Schlagzeug zur damaligen Live-Crew. Diese Besetzung gilt unter Kennern der Bandgeschichte als eine der stärksten Konstellationen, die Brand X je auf die Bühne brachte, und liefert entsprechend hochkarätiges Material für die neue Veröffentlichung.
Und sie tatsächlich ganz neu im Jahr 2026 erschienen ist.

Es handelt sich allerdings nicht um eine damalige LP von 1977, sondern um ein jetzt veröffentlichtes Doppel-Livealbum mit Aufnahmen der amerikanischen Tournee im Herbst 1977. Die Tonbänder lagen beinahe fünfzig Jahre auf Reel-to-Reel-Bändern im Nachlass beziehungsweise auf dem Dachboden von Robin Lumley. Percy Jones hat sie restauriert und neu gemastert.
Die Besetzung ist großartig:
John Goodsall – Gitarre
Percy Jones – Bass
Robin Lumley – Keyboards
Morris Pert – Percussion
Kenwood Dennard – Schlagzeug
Also nicht Phil Collins, sondern Kenwood Dennard – für mich also besonders interessant. Außerdem sind bereits drei Stücke des späteren Albums Masques in frühen Fassungen zu hören.
Der Titel Theory of Nothing dürfte sehr nach dem typischen, intelligent-ironischen Humor von Brand X klingen: neben der physikalischen „Theory of Everything“ steht ihre „Theory of Nothing“. Gleichzeitig passt der Name erstaunlich gut zu dieser Musik: Aus Pausen, offenen Formen, rhythmischen Verschiebungen und scheinbar „nichts Festgelegtem“ entsteht eine hochkomplexe musikalische Ordnung. Das berührt durchaus auch mein Matrix-Denken.
Veröffentlicht wurde das Material als limitierte Doppel-CD, nicht als klassische Vinyl-LP; die erste Auflage ist offenbar bereits vergriffen. Die offizielle Ausgabe enthält zehn längere Konzertstücke, darunter
Disco Suicide, Access to Data, Malaga Virgen, Earth Dance, Nuclear Burn und Nightmare Patrol. Offizielle Brand-X-Ausgabe
– gerade die Verbindung Kenwood Dennard + Morris Pert könnte rhythmisch eine wahre Fundgrube für mein Buch Rhythm Matrix & Klangwelt sein.
Written by Afrigal
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