Botanica
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Botanica
als ästhetisches, klangliches und konzeptionelles Feld.
Botanica Musik bezeichnet eine Form von Klangkunst, in der pflanzliche, ökologische, biologische und wachstumsbezogene Prozesse nicht nur Thema, sondern strukturelles Vorbild der Musik sind. Das sind keine „Naturklänge mit Hall“, sondern Musik, die sich verhält wie ein lebendes System. Orientierung an Wachstum statt Entwicklung,Zyklen statt Dramaturgie, Rückkopplung statt linearer Steuerung und Koexistenz statt Hierarchie.
Ästhetische Grundidee
| Pflanzliches Prinzip | Musikalisches Analogon |
|---|---|
| Keimung | Initiale Impulse/Seeds |
| Wachstum | allmähliche Parameterverschiebung |
| Verzweigung | polyphone/polyrhythmische Aufspaltung |
| Photosynthese | Transformation externer Energie (Noise, Input) |
| Symbiose | gegenseitige Modulation |
| Absterben | Ausdünnung, Reduktion, Stille |
| Samen | Übertragbare Pattern / Presets |
Die Musik erzählt nicht, sie wächst. Sie wird nicht komponiert, sondern kultiviert.
Klangliche Eigenschaften
Typisch für Botanica Musik sind z.B. langsame zeitliche Skalen (Minuten bis Stunden), mikrotonale Drift statt fixem Tuning, spektrale Morphologie (Filter, Granularität, Resonanzen),instabile Wiederholung (nie exakt gleich), organische Modulation (nicht-periodisch, nicht-random, sondern „lebendig“.
Formal gesprochen: Keine „Parts“ im Song-Sinne, Keine Drops, keine Climax-Logik ! Stattdessen: ökologische Gleichgewichte
Technische Umsetzung (bezogen auf mein Umfeld „Afrigal“)
Da ich mit SuperCollider, Sensory Percussion, Mikrotonalität, Modularität und algorithmischer Struktur arbeite, ist Botanica Musik für mich kein Stil, sondern eine Arbeitsweise.
In SuperCollider: -LFOs durch chaotische Funktionen ersetzen (z.B. Lorenz, Perlin),Parameter nicht steuern, sondern miteinander koppeln,SynthDefs als „Organismen“ definieren, Audio als Energiequelle für andere Prozesse nutzen (Feedback, Env-Follower)
Prinzipiell also: Nicht kontrollieren sondern verschiedene Rahmen setzen.
Mit Sensory Percussion: Nicht als Drumpad — sondern als ökologischer Input: Berührung = Störung des Systems, Druck = Wachstum / Aktivierung, Stillstand = Selbstorganisation. Ich will nicht nur der Musiker sein, sondern quasi ein Gärtner des Systems.
Mikrotonalität: Keine Skala, sondern ein sich veränderndes Tonsystem, Skalen driften, kollabieren, regenerieren, Tonhöhe wird Feld, nicht Raster
Philosophie
Botanica Musik ist eine musikalische Form von: Posthumanismus (Mensch nicht im Zentrum), Prozessontologie (Sein = Werden), Tiefenökologie (Kunst als Teil des Ökosystems), Nicht-teleologischer Zeit (kein Ziel, nur Verlauf)
Sie stellt nicht die Frage: „Was will ich ausdrücken?“ sondern: „Was darf hier entstehen?“
Abgrenzung
| Nicht Botanica | Botanica |
|---|---|
| Field Recording | Prozessbasierte Transformation |
| Ambient | ökologische Dynamik |
| Generative Music | generative Systeme mit Rückkopplung |
| Nature Soundscape | lebende Klangökologie |
| Meditationsmusik | emergente Zeitstruktur |
Kurz gefasst:
Botanica Musik ist eine klangliche Praxis, in der Musik nicht gemacht, sondern kultiviert wird — als lebendes, rückgekoppeltes, wachsendes System im Spannungsfeld zwischen Technologie, Biologie und Wahrnehmung.
Afrigal: Regenwürmer als Klanginstallation.
„Botanica Music – Kompositions- und Systemprotokoll“
Dieses Regelwerk definiert keine Klänge, sondern Bedingungen, unter denen Klang entsteht.
Ontologische Prämisse
Das musikalische Werk ist kein Objekt, sondern ein dynamisches System im Gleichgewicht zwischen Energie, Struktur und Störung.
Konsequent gesprochen heißt dies: Es gibt keine endgültige Fassung. Jede Aufführung ist eine Momentaufnahme.
Systemarchitektur
Grundstruktur Das System besteht aus mindestens vier gekoppelten Ebenen:
| Ebene | Funktion |
|---|---|
| Input | Energiezufuhr (Sensoren, Spieler, Umwelt, Rauschen) |
| Transformation | Synthese, Filterung, Modulation |
| Ökologie | Rückkopplungen zwischen Modulen |
| Zeit | langsame Drift, Zyklik, Alterung |
Keines dieser Module darf isoliert existieren.
Organismus-Prinzip
Jeder Klanggenerator wird definiert als Objekt (OOP/OOA):
Organismus = {Zustand (state)
Stoffwechsel (process)
Wahrnehmung (input sensitivity)
Rückwirkung (feedback)
Alterung (drift / decay)}
Ein Synthesizer ohne Drift, Feedback oder Alterung gilt nicht als Organismus.Zeitlogik
Zeit wird nicht als Takt, sondern als ökologische Skala verstanden:
| Skala | Dauer |
|---|---|
| Mikro | Millisekunden – Sekunden |
| Meso | Sekunden – Minuten |
| Makro | Minuten – Stunden |
| Meta | Tage – Versionen – Wiederaufführungen |
Regel:Mindestens zwei Zeitskalen müssen gleichzeitig wirksam sein.
Tonhöhe und Spektrum: Tonhöhe ist kein fixes Raster, sondern ein bewegliches Feld, Skalen dürfen sich verschieben, verbiegen, auflösen, Mikrotonalität ist bevorzugt, aber nicht zwingend.
Regel: Kein Ton darf vollständig stabil bleiben.
Dynamik:Keine abrupten Brüche ohne Prozess,Keine Höhepunkte als Ziel,Veränderungen erfolgen als Drift, Mutation, Wachstum oder Zerfall
Störung als produktives Element:
Jedes System muss störbar sein: durch Spielerhandlung, durch Zufall,durch Umweltinput, durch interne Instabilität,
Regel:
Störung darf das System nicht zerstören, sondern muss es verwandeln.
Rolle des Menschen
Der Mensch ist: kein Autor, kein Dirigent, sondern ökologischer Akteur, er reguliert Energie, nicht Form.
Abbruchregel
Ein Werk endet nicht, sondern wird verlassen.
Abbruch erfolgt: bei Ermüdung, bei Sättigung, bei Wahrnehmungsstillstand
Ästhetik
1.Wir machen keine Musik.Wir ermöglichen Klang.
2.Wir komponieren keine Werke.Wir kultivieren Bedingungen.
3. Zeit ist kein Träger der Musik. Musik ist eine Erscheinungsform von Zeit.
4.Der Klang ist kein Mittel zur Bedeutung.Er ist selbst Bedeutung in Bewegung.
5.Der Mensch ist nicht der Mittelpunkt des Systems.Er ist ein Faktor unter vielen.
6. Kontrolle ist eine Störung. Störung ist eine Ressource.
7. Struktur ist kein Gerüst, sondern ein temporäres Gleichgewicht.
8. Wiederholung ist kein Fehler.Identische Wiederholung ist unmöglich.
9.Ein gutes System ist eines, das sich selbst überraschen kann.
10. Ein fertiges Werk ist ein gestorbenes System.
11. Stille ist kein Fehlen von Klang, sondern seine untere Grenze.
12.Technologie ist kein Werkzeug, sondern Habitat.
13. Komposition ist keine Entscheidung, sondern eine Verantwortung.
14. Wir arbeiten nicht an Formen, sondern an Übergängen.
15. Bedeutung entsteht nicht im Klang, sondern im Hören.
16. Ein System, das nicht altern darf, ist ideologisch.
17. Ein System, das nicht scheitern kann, ist tot.
18. Botanica Musik ist keine Stilrichtung. Sie ist eine Praxis des Daseins im Klang.
19. Wir hören nicht, um zu verstehen. Wir hören, um zu verweilen.
20. Das Ziel der Musik ist nicht Ausdruck, sondern Beziehung.
Ergo:
Botanica Musik ist die Praxis, Klang als lebendes System zu behandeln — und sich selbst als Teil dieses Systems zu begreifen.
Keine der in der Botanica verwendeten Techniken ist an sich neu,
und die Ästhetik wird in der Musik schon lange nachgeahmt.
Schliesslich üben die üppige Blütenpracht des Frühlings und Sommers
eine angeborene Faszination auf uns Menschen aus.
Jedenfalls spriesst gerade eine völlig neue Botanica-Ernte
mit einem einzigartigen Duft, und ich bin hier,
um sie zu dokumentieren!
Written by Afrigal
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